Politik | Ausland 31.01.2018

Stalingrad: Schicksal von 4000 Österreichern vor Klärung

Stalingrad - ein Wendepunkt des Krieges. Auch Tausende Österreicher starben. © Bild: AP/ap

Stalingrad. Historiker Stefan Karner stieß im Moskauer Militärarchiv auf Daten von Vermissten.

Es war der Anfang vom Ende des Hitler-Reiches: Die Schlacht von Stalingrad, in der 500.000 Russen und 150.000 Soldaten der deutschen Wehrmacht, darunter Tausende Österreicher, ihr Leben verloren. Monatelang hatten die Deutschen die Stadt angegriffen, ehe sie im Winter 1942/43 von Soldaten der Roten Armee eingekesselt wurden. Am 2. Februar 1943 endete die Schlacht mit der Kapitulation der Sechsten Armee der Wehrmacht – ein psychologischer Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg.

75 Jahre danach ist der Historiker Stefan Karner in Moskau auf eine kleine Sensation gestoßen. Er fand im russischen Militärarchiv Unterlagen und Daten über rund 4000 verstorbene österreichische Kriegsgefangene, deren Schicksal bisher unbekannt war. Sie waren noch während der Schlacht oder bald danach in den umliegenden sowjetischen Kriegsgefangenenlagern verstorben.

"Anders als von später verstorbenen Österreichern in der Sowjetunion hatten wir von denen bisher nichts", sagte Karner, Leiter des Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgenforschung, Graz-Wien-Raabs, und einer der renommiertesten österreichischen Historiker, am Mittwoch in Moskau dem KURIER.

Stefan Karner
Stefan karner © Bild: KURIER/Johannes Weichhart

Von den rund 120.000 Soldaten der Wehrmacht, die in Stalingrad in Gefangenschaft gerieten, kamen insgesamt nur 6000 nach Hause. Von den restlichen 114.000 waren etwa 11.500 Österreicher, vorwiegend aus Wien und Niederösterreich. Eine zu Beginn der 1990er-Jahre erstellte Datenbank enthält Informationen über rund zwei Drittel von ihnen. "Das Schicksal der restlichen rund 4000 hoffen wir nun klären zu können", so Karner.

Vor allem im Lager Beketovka nahe Stalingrad, wohin rund 90.000 Gefangene gekommen waren, starben viele zumeist an Hunger. Namen und Daten wurde nur notdürftigst verzeichnet, auf Zementsäcken, Behelfspapieren. Später wurden die Listen dann mit Schreibmaschine übertragen. Ein Teil der Toten wird in Österreich als vermisst geführt, so Karner.

Auskünfte: Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung, Schörgelgasse 43 , 8010 Graz

( kurier.at ) Erstellt am 31.01.2018