Politik | Ausland
31.10.2018

Spanischer Aktivist schändet Franco-Grab mit blutroter Farbe

Streit um Exhumierung des faschistischen spanischen Diktators geht weiter.

Ein spanischer Aktivist hat am Mittwoch das Grab von Diktator Francisco Franco im "Tal der Gefallenen" geschändet. Er malte mit blutroter Farbe eine Friedenstaube und die Worte "Für die Freiheit" auf die Grabplatte des 1975 verstorbenen Militärdiktators in der Basilika der Gedenkstätte "Valle de los Caidos" vor den Toren der spanischen Hauptstadt.

Bei dem Aktivisten handelte es sich um den spanischen Provokationskünstler und Bildhauer Enrique Tenreiro, der seine Tat nach Angaben spanischer Medien als "künstlerische Protestaktion" bezeichnete. "Für die Freiheit und die Versöhnung aller Spanier, damit es keine Verliererseite mehr gebe", rief Tenreiro, während ihn das Sicherheitspersonal der Basilika am Weitermalen hinderte und ihn aus dem Mausoleum brachte. Die Polizei untersucht derzeit, ob der Künstler strafrechtlich wegen Grabschändung und Aufruf zum Hass belangt werden kann.

Streit um Überreste

Schon seit Monaten schwelt ein heftiger Streit um das Grab des faschistischen Diktators (1892-1975), der Spanien bis zu seinem Tod mit fester Hand regierte. Die seit Juni in Spanien regierenden Sozialisten wollen seine Überreste umbetten, um aus dem "Tal der Gefallenen" eine Gedächtnisstätte für alle Opfer des spanischen Bürgerkriegs (1936-1939) zu machen.

Franco ordnete den Bau des gigantischen Mausoleums nach dem spanischen Bürgerkrieg an, um sich dort selbst bestatten zu lassen. Über 20.000 republikanische Soldaten, aber auch politische Gefangene mussten in Zwangsarbeit das Denkmal für die Gefallenen der Franco-Armee errichten. Tausende kamen bei den Arbeiten ums Leben und wurden ebenfalls in der Basilika in einem Massengrab verscharrt. Viele ihrer Hinterbliebenen empfinden dies bis heute als Demütigung.

Mausoleum Pilgerort für Postfaschisten

Tatsächlich ist das Mausoleum heuer ein Pilgerort für postfaschistische Franco-Anhänger und Rechtsextreme. Die Familie des Diktators, aber auch rechtspopulistische Parteien wie VOX stellen sich vehement gegen die Exhumierung von Francos Überresten. Auch die konservative Volkspartei (PP) spricht sich dagegen aus, um "alte Wunden nicht wieder aufzureißen", so Spaniens konservativer Oppositionsführer Pablo Casado.

Spaniens sozialistischer Ministerpräsident Pedro Sanchez fand allerdings eine parlamentarische Mehrheit, um die Gebeine des Diktators verlegen zu lassen. Das soll bereits im November geschehen. Unterdessen liegt die Regierung mit der Familie Francos im Streit über eine alternative Grabstätte. Die Nachfahren des Diktators wären höchstens bereit, seine Überreste in der Familiengruft in der Madrider Almudena-Kathedrale bestatten zu lassen. Dagegen spricht sich allerdings die Regierung aus. Die Regierung habe die Pflicht, einen Ort für die sterblichen Überreste des Diktators zu finden, an dem nicht erneut ein Ehrenkult für den faschistischen Diktator entstehen könne, stellte Spaniens stellvertretende Regierungschefin Carmen Calvo am Dienstag klar.

Calvo erklärte, dass im Prinzip die Kirche das letzte Wort habe, wo die Familie Franco den Leichnam "in Würde" beerdigen könne. Aber die Regierung verfüge über "Mechanismen", einen Ort, an dem es zu einem Franco-Kult kommen könnte, zu verhindern.

In diesem Zusammenhang könne ihre Regierung auch auf die Zusammenarbeit mit der römisch-katholischen Kirche zählen, so Calvo, die sich am Montag im Vatikan mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin zu Gesprächen traf. Parolin habe ihr versichert, eine Lösung für das Problem zu finden. Die Kirche werde sich der Exhumierung nicht entgegenstellen und eine auch für die Regierung tragbare und mit den spanischen Gesetzen vereinbare Lösung für die neue Ruhestätte suchen.