Politik | Ausland
16.11.2017

Simbabwes Präsident will von Rücktritt nichts wissen, Ehefrau ist untergetaucht

Trotz Entmachtung und Hausarrest will Mugabe bleiben. Seine einflussreiche Frau soll sich in Namibia befinden.

Wie geht es nun weiter?

Diese Frage blieb am Tag nach dem Putsch gegen den simbabwischen Langzeit-Machthaber Robert Mugabe unbeantwortet. Weder das Militär, das den seit 1980 herrschenden Staatschef am Mittwoch unter Hausarrest gestellt hatte, noch dieser selbst meldeten sich öffentlich zu Wort.

Hinter den Kulissen schien es aber Verhandlungen über die Zukunft des 93-Jährigen zu geben, unter Beteiligung eines Priesters, den Mugabe seit langem kennt. Die Regionalmacht Südafrika, wo Millionen simbabwische Flüchtlinge leben, schickte zwei Minister nach Harare. Allerdings denkt Mugabe nach Angaben aus seinem Umfeld nicht daran, offiziell abzutreten.

Doch damit steht er auf verlorenem Posten. Beobachtern zufolge soll der Putsch Vizepräsident Emmerson Mnangagwa zur Macht verhelfen.

Der einstige Weggefährte Mugabes, der wie dieser in den 1970ern für die Unabhängigkeit des damaligen Rhodesien von Großbritannien kämpfte, hatte sich zuletzt mit Mugabe überworfen. Vor kurzem jagte ihn der Staatschef aus dem Amt, offiziell wegen "Verschwörung".

Unbeliebte "Gucci-Grace"

Der wahre Grund heißt Grace Mugabe. Die First Lady hat seit Jahren den Plan, ihren Mann politisch zu beerben. Und das passte weder Mnangagwa noch dem mit ihm verbandelten Militär. Berichten zufolge hat sich Grace Mugabe nach Namibia abgesetzt. Ob sie ihr Ziel, Präsidentin zu werden, weiter verfolgt, ist unklar.

In der Regierungspartei ZANU-PF hatte Grace Mugabe schon länger das Sagen, ist aber unbeliebt. Ein großer Teil der 15 Millionen Einwohner in Afrikas einstiger Kornkammer hungert, das Land ist nach der Enteignung weißer Farmer in den 2000er-Jahren sowie wegen Misswirtschaft und Korruption heute eines der ärmsten Länder der Welt.

Die 52-jährige Präsidentengattin scheint das kaum zu kümmern, sie ist für ihre Prunksucht verschrien. Einkaufstouren in Europa und ihre Vorliebe für millionenteure Diamanten brachten ihr die Spitznamen "Gucci-Grace" und "First Shopper" ein.

Kennengelernt hatten sich die Mugabes Anfang der 90er, als Robert noch mit seiner ersten, todkranken Frau Sally verheiratet war. Die beiden begannen eine Affäre, angeblich mit Sallys Zustimmung. 1996 wurde geheiratet, das Paar hatte bereits zwei seiner drei Kinder.

2008 trat Grace erstmals politisch auf, tauschte bei Auftritten Designerkleidung gegen Uniform. Zudem versuchte sie sich als Geschäftsfrau, etwa mit einer Farm auf enteignetem Boden.

Daneben machte Grace mit Gewaltausbrüchen Schlagzeilen. Zuletzt diesen Sommer, als sie in Südafrika eine junge Bekannte ihrer Söhne verprügelte. Nur die politische Immunität bewahrte sie vor einer Strafverfolgung.