Angehörige eines türkischen Opfers des Angriffs auf den Nachtclub „Reina“

© REUTERS/OSMAN ORSAL

Türkei
01/02/2017

Anschlag in der Türkei: Sieben Minuten, 180 Schuss

Attentäter von Istanbul war IS-Mitglied. Die Polizei soll vor dem Terroranschlag gewarnt worden sein.

von Irene Thierjung

Zwei Tage nach dem Blutbad im Istanbuler Nachtclub "Reina" mit 39 Toten und 69 Verletzten wurden am Montag neue Details der Tat bekannt, vieles blieb jedoch spekulativ. Fest stand: Knapp eineinhalb Stunden nach Mitternacht war der Attentäter aus einem Taxi gestiegen und erschoss in der Folge vor dem Eingang der Nobeldisco am Bosporus einen Polizisten und einen Zivilisten.

Auf Überwachungsvideos ist laut der Zeitung Hürriyet Daily News zu sehen, wie der militärisch trainiert wirkende Mann sieben Minuten lang durch das Gebäude geht, mit dem Gewehr um sich schießt, am Boden Liegende mit Kopfschüssen tötet und schließlich in der Küche seine Jacke auszieht. Bis dahin hat er mindestens 180 Schuss abgegeben und sechs Mal das Magazin gewechselt.

"Soldat des Kalifats"

Danach soll sich der Täter unter die flüchtenden Menschen gemischt haben und eine kurze Strecke mit einem Taxi gefahren sein. Danach fehlte von ihm jede Spur.

Weiteren Berichten zufolge soll der Mann aus Zentralasien stammen und Mitglied einer Terrorzelle des Islamischen Staats (IS) in der Türkei sein, die auch für den Anschlag auf den Istanbuler Flughafen mit 45 Toten im Juni verantwortlich gemacht wird. Am Montag verhaftete die Polizei acht Verdächtige. Der Täter sei nicht darunter gewesen.

In Medien war auch zu erfahren, dass die türkische Polizei und die Geheimdienste vor IS-Anschlägen in Istanbul oder Ankara zum Jahreswechsel gewarnt worden seien, unter anderem von den USA. Erst im November hatte IS-Chef al-Baghdadi zu Angriffen in der Türkei aufgerufen, da sich diese seit August am Kampf gegen die Terrormiliz in Syrien beteiligt.

Und tatsächlich war es der IS, der die Verantwortung für den Anschlag im "Reina" übernahm. Er bezeichnete den Täter als "heldenhaften Soldaten des Kalifats". Der Mann, der laut Augenzeugen "Allahu Akbar" (Allah ist groß) gerufen hatte, habe zugeschlagen, "wo die Christen ihren ketzerischen Feiertag" begingen. Er habe "ihre Feiern in Trauer umgewandelt". Die Türkei bezeichnete der IS als "Beschützerin des Kreuzes", also der Christen.

Die Mehrzahl der 39 im "Reina" getöteten Menschen war allerdings muslimisch: 13 Opfer stammten aus der Türkei, die meisten der 26 ausländischen Opfer aus dem arabischen Raum. Zwei Tote kamen aus Bayern: Einer der Männer war ein Deutscher mit türkischem Zweitpass, der andere türkischer Staatsbürger. Laut Außenamt in Wien hielten sich auch Österreicher im Lokal auf, blieben aber unverletzt. Insgesamt hatten im "Reina" 800 Menschen gefeiert.

Tourismus leidet

Der Anschlag war bereits der zwölfte Terrorakt in der Türkei seit dem Beginn des Vorjahres , die Hälfte der Angriffe ereignete sich in Istanbul. Für den Tourismus ist das fatal. Laut dem Buchungsportal HRS fielen die Zimmerpreise in Istanbul 2016 um fast 18 Prozent auf 75 Euro. Die Stadt liege nun auf dem Niveau von Prag und Warschau.

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