Politik | Ausland
13.07.2018

Vilimsky nach Attacke auf Juncker im Kreuzfeuer der Kritik

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FPÖ-Generalsekretär Vilimsky forderte Rücktritt des Luxemburgers. Nun aber steigt der Druck auf Vilimsky selbst.

Nach Ansicht des FPÖ-Generalsekretärs Harald Vilimsky wäre es "mehr als hilfreich", wenn EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker noch vor der EU-Wahl im Mai 2019 "den Hut nähme". Vilimsky bezog sich in einer Aussendung am Freitag auf Aufnahmen vom NATO-Gipfel am Mittwoch, die den 63-Jährigen schwankend und auf mehrere Staatsgäste gestützt zeigen.

Juncker klagte öfter über Rückenprobleme

In Junckers Umfeld in Brüssel wurde am Freitag darauf verwiesen, dass der luxemburgische Spitzenpolitiker schon häufiger in der Öffentlichkeit über Rückenprobleme geklagt habe, die ihm das Gehen erschwerten. Diese sind dem Vernehmen nach die Spätfolge eines heftigen Autounfalls. Der Kommissionspräsident sei am Mittwoch von einer besonders schmerzhaften Ischias-Attacke geplagt worden, hieß es. Ein Kommissionssprecher sprach von einem "akuten Krampf". Bei seinem Auftritt am Mittwoch musste Juncker zeitweise auch in einem Rollstuhl geschoben werden. 

Vilimsky, der auch EU-Abgeordneter ist, will dieser Version offenbar keinen Glauben schenken: "Der mittlerweile zum Online-Hit gewordene Auftritt eines torkelnden und von mehreren Staatschefs gestützten Juncker im Rahmen eines jüngsten Gipfeltreffens in Brüssel macht die gesamte Europäische Union zur Lachnummer und dies in einer gesamt sehr schwierigen Situation für die EU", so der FPÖ-Generalsekretär.

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In den vergangenen Jahren "habe es eine Reihe von offensichtlichen Alkoholproblemen gegeben, die immer wieder zu einer Serie peinlicher Videos geführt habe", heißt es in der Aussendung Vilimskys weiter. Mit dem Auftritt Junckers am Mittwoch "sei ein Punkt erreicht, bei dem man nicht mehr einfach zur Tagesordnung übergehen könne". Der FPÖ-Generalsekretär fordert: "Juncker möge seinen Sessel in der Kommission räumen und das rasch."

Herbe Kritik an Vilimsky aus ÖVP

EU-Kommissar Johannes Hahn wies Vilimsky scharf zurecht. Vilimskys Äußerungen seien ein "inakzeptabler Verstoß gegen einen respektvollen Umgang mit Menschen", teilte Hahn am Freitag auf Anfrage mit. "Eine Entschuldigung von Herrn Vilimsky ist das Mindeste, was man erwarten muss."

Zuvor hatte bereits der ÖVP-Delegationsleiter im Europaparlament, Othmar Karas, den FPÖ-Politiker angegriffen. "Vilimsky muss sich bei Juncker entschuldigen oder es muss Konsequenzen geben", teilte Karas mit.

Leichtfried: „Vilimsky soll zurücktreten“

SPÖ-Europasprecher Jörg Leichtfried sieht in Vilimskys Rücktrittsforderung an Juncker einen "Frontalangriff" und eine "unglaubliche Entgleisung". Vilimsky habe "mit seinem heutigen Auszucken ein bis dato nicht bekanntes Niveau erreicht". Leichtfried fordert daher in einer Aussendung Konsequenzen: "Harald Vilimsky soll zurücktreten“. In seiner Argumentation wies der SPÖ-Nationalratsabgeordnete auf den derzeitigen EU-Ratsvorsitz Österreichs hin. "Jemand wie Vilimsky darf auch aus Sicht der Regierung nicht länger in seiner Position sein“, betont Leichtfried.

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EU-Sprecher: Frage nach Alkoholisierung "geschmacklos"

Bereits vor dem Wirbel um Vilimskys Aussagen antwortete der EU-Kommissionssprecher auf Fragen, ob Juncker beim NATO-Gipfel betrunken war, es sei "mehr als geschmacklos", die Schmerzen Junckers ausnützen zu wollen. Dies wäre weder elegant noch fair. Der EU-Kommissionspräsident habe ein volles Programm und halte weiterhin an diesem fest.