"Ihr verrückten Mistkerle": Schlagabtausch um Straße von Hormus spitzt sich zu

Die Situation wird immer verfahrener. Nach Trumps neuerlichem Ultimatum will der Iran die wichtige Handeslroute nun erst nach Reparationszahlungen freigeben.
"Ihr verrückten Mistkerle": Schlagabtausch um Straße von Hormus spitzt sich zu

Am Sonntag platzte Donald Trump wohl endgültig der Kragen. Drei Wochen lang hat der US-Präsident gedroht und gepoltert, seine europäischen NATO-Partner "Feiglinge" geschimpft und dem Iran ein Ultimatum ums andere gestellt. An dem Umstand, dass der Iran mit der Straße von Hormus 20 Prozent der weltweiten Ölversorgung in Geiselhaft hält, hat das freilich wenig geändert. 

Trumps jüngster Anlauf klang am Sonntag denn auch schon einigermaßen verzweifelt: "Öffnet die verdammte Straße, ihr verrückten Mistkerle, oder ihr werdet in der Hölle landen", verlautbarte er da. Sein neues Ultimatum: Bis Dienstagabend soll der Iran nun Zeit haben, endlich die Straße von Hormus zu öffnen. Dann werde "kein Kraftwerk und keine Brücke stehen" bleiben. 

Hormuz-Straße öffnet erst nach Kriegsentschädigung

Der Iran zeigte sich davon am Montag jedoch einmal mehr wenig beeindruckt. Die für den globalen Öl- und Gasmarkt wichtige Meerenge werde jedenfalls erst dann wieder geöffnet, "wenn im Rahmen einer neuen Rechtsordnung die Schäden des aufgezwungenen Krieges vollständig aus einem Teil der Transitgebühren kompensiert werden", hieß es aus dem Büro des iranischen Präsidenten auf X in der Nacht auf Montag. 

Mehdi Tabatabaei, für Kommunikation zuständiger Beamter im Büro des iranischen Präsidenten, legte noch nach: Trump habe aus "purer Verzweiflung und Wut" zu ordinären Beschimpfungen gegriffen, schrieb er. "Dieser Bastard-Narr hat in seinem Wahnsinn einen totalen Krieg in der Region entfacht" und prahle damit.

Die Situation ist verfahren. Während die Ölpreise explodieren - der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent mit Lieferung stieg zum Wochenbeginn auf 111 US-Dollar je Barrel (159 Liter), vor dem Krieg lag der Preis um die 70 Dollar, das ist eine Zunahme von mehr als 50 Prozent - beansprucht der Iran weiterhin die Kontrolle über die gesamte Passage und plant ein Mautsystem für die Durchfahrt. 

Militärisch ist die Lage vor Ort wohl nur äußerst schwer unter Kontrolle zu bekommen. 

Denn im Prinzip reicht allein schon die Drohung des Iran, einen der millionenschweren Öltanker zu beschießen, um den Schiffsverkehr zum Erliegen zu bringen. "Der wesentliche Faktor ist nicht, dass jedes Schiff, das durchfährt, tatsächlich beschossen wird", sagte Marine-Experte Jeremy Stöhs jüngst gegenüber dem KURIER.  "Es reicht schon, dass die Möglichkeit eines Angriffs besteht. Schiffe sind im Regelfall versichert – und sobald Versicherer ein Risiko sehen, erhöhen sie ihre Preise, sodass die Durchfahrt des Gebiets für Reedereien meist nicht mehr lukrativ ist."

Bereits Mautsystem etabliert

Die USA hätten zwar die militärischen Fähigkeiten des Iran im persischen Golf selbst bereits dezimiert, Angriffe auf Schiffe könnten aber auch einfach aus dem Hinterland erfolgen. "Aktuell sehen wir weiterhin weitreichende iranische Drohnenangriffe, die bis nach Zypern reichen. Der Persische Golf ist ein kleiner Raum mit einer langen Küstenlinie und einem Hinterland, von dem aus bis ins Meer gefeuert werden kann." Und genau dieses Restrisiko ist wohl nur äußerst schwer unter Kontrolle zu bekommen. 

Gänzlich geschlossen ist die Straße von Hormus auch aktuell übrigens nicht. Der Iran hat bereits eine Art Mautsystem etabliert. Schiffe, denen das Militär die Durchfahrt gewährt, müssen Unterlagen über die Kennungsnummer, die Eigentumsverhältnisse und das Ladungsverzeichnis des Schiffes an nicht näher genannte Vermittler übermitteln. Dann erhalten sie einen Freigabecode. Während der Durchfahrt wird die Besatzung dann von den Revolutionsgarden angefunkt und muss den richtigen Code nennen, um passieren zu dürfen. Zwei Millionen Dollar soll der Iran pro Schiff verlangen. 

Bericht über Waffenruhe

Abseits der kraftmeierischen Wortgefechte berichtete das Nachrichtenportal Axios am Sonntag, dass die USA, der Iran und regionale Vermittler derzeit über die Bedingungen für eine mögliche 45-tägige Waffenruhe verhandeln. Diskutiert werde ein Abkommen in zwei Phasen. Zunächst solle die 45-tägige Waffenruhe in Kraft treten, um über ein endgültiges Ende der Kämpfe zu verhandeln. 

In der zweiten Phase solle dann ein entsprechendes Abkommen geschlossen werden, heißt es in dem Bericht. Die Waffenruhe könne bei Bedarf verlängert werden. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte den Bericht zunächst nicht unabhängig überprüfen. Das Weiße Haus und das US-Außenministerium reagierten nicht sofort auf Anfragen nach einer Stellungnahme.

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