Politik | Ausland
22.06.2017

Schiefes Minarett in Mossul gesprengt: "Damit gesteht IS Niederlage ein"

Wenig wäre für die Terrormiliz IS so schmerzhaft gewesen, wie aus der Großen Moschee in Mossul vertrieben zu werden. Nun sollen die Dschihadisten das symbolische Gebetshaus, in dem sich ihr Anführer erstmals zeigte, gesprengt haben.

Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben nach Angaben der irakischen Armee die symbolträchtige und Jahrhunderte alte große Moschee in der umkämpften Metropole Mossul gesprengt - offensichtlich kurz vor einer drohenden Erstürmung des Gotteshauses. Das teilte der irakische General Abdul Amir Raschid mit. Seine Soldaten seien am Mittwoch während der Detonation nur 50 Meter weg gewesen.

"Niederlage"

In einer Erklärung der irakischen Regierung hieß es am Mittwoch, die Zerstörung der Moschee „entspricht einem offiziellen Eingeständnis der Niederlage“ durch den IS. Mossul war einst eine Hochburg der Islamisten-Gruppe. Deren verbliebenen Kämpfer in der Metropole sind nach irakischer Darstellung inzwischen in der Altstadt eingekesselt, wo auch die Moschee lag.

IS-Chef zeigte sich dort

In der Moschee hatte IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi Anfang Juli 2014 bei einer Freitagspredigt erstmals öffentlich gezeigt. Die Moschee hat deshalb eine immense symbolische Bedeutung.

Einige Wochen vor dem Auftritt Al-Bagdadis 2014 in der Moschee hatten Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Mossul überrannt. Dann rief der IS ein „Islamisches Kalifat“ im Irak und im benachbarte Syrien aus und ernannte Al-Bagdadi zum „Kalifen Ibrahim“.

"Verbrechen gegen den Irak"

Die internationale Anti-IS-Koalition unter Führung der USA bestätigte die Angaben der irakischen Armee zu der Sprengung. „Das ist ein Verbrechen gegen die Bürger Mossuls und des ganzen Irak“, sagte Major General Joseph Martin.

Irakische Truppen hatten vergangenen Herbst mit der Offensive auf die wichtigste Stadt im Irak unter Kontrolle des IS begonnen. Während der heftigen Kämpfe wurden Tausende Menschen getötet und Hunderttausende vertrieben. Übrig geblieben ist nur noch ein kleines Gebiet unter IS-Kontrolle im Zentrum der Stadt, darin liegt auch die große Moschee.

Ein von der Anti-IS-Koalition zur Verfügung gestelltes Luftbild eines weitgehend zerstörten Gebäudes zeigt offensichtlich die Überreste des Gebäudes. Auf dem Foto scheint das berühmte Minarett zerstört.

„Der schiefe Turm von Mossul“

Das Gebetshaus geht auf das 12. Jahrhundert zurück und ist auch als Al-Nuri-Moschee bekannt, benannt nach Nur al-Din Sinki, einem Herrscher, der den Bau des Gebäudes in Auftrag gab.

Berühmt ist die Moschee nicht zuletzt wegen ihres schiefstehenden Minaretts, das vom Einsturz bedroht ist. Es wird auch „Al-Hadba“ („Die Gekrümmte“) oder scherzhaft „Der schiefe Turm von Mossul“ genannt. Ungeeignetes Baumaterial und Wind sollen für die Schieflage verantwortlich sein. Es war zunächst unklar, wie sehr die Moschee durch die Explosion in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Rücken zur Wand

Etwa gleichzeitig mit der Armee verkündete der IS über sein Sprachrohr Amak, dass die Moschee von einem US-Luftangriff getroffen worden sei. Die internationale Anti-IS-Koalition allerdings sprach in ihrer Mitteilung ausdrücklich davon, dass das Gebäude von den Extremisten gesprengt worden sei.

Zuvor hatten staatliche irakische Medien von einem weiteren Vorrücken der Armee in Mossul berichtet. Einen halben Kilometer seien sie in das verbliebene Viertel der Dschihadisten in der Altstadt eingedrungen. Die vollständige Einnahme der Großstadt sei nicht mehr fern, sagte ein Militärsprecher. Die Soldaten seien mit mindestens zwei Luftangriffen unterstützt worden.

Der IS steht militärisch im Irak und in Syrien mit dem Rücken zur Wand. Zudem behauptete Russland vor wenigen Tagen, Anführer Al-Bagdadi bei einem Luftangriff getötet zu haben. Eine Bestätigung gab es zunächst nicht.