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Putin‑Wagen: Strafe gegen Satiriker Tilly in Russland bestätigt

Der deutsche Satiriker Jacques Tilly hatte für den Karnevalsumzug in Düsseldorf einen Putin-Wagen gebaut. Dafür wurde er in Russland verurteilt.
GERMANY-TRADITION-CARNIVAL

Zusammenfassung

  • Moskauer Berufungsgericht bestätigt achteinhalb Jahre Haft für Satiriker Jacques Tilly wegen Karnevalswagen.
  • Verteidigung kritisiert fehlendes psychiatrisches Gutachten und mangelnden Kontakt zu Tilly; Fall gilt als abgeschlossen.
  • Tilly wurde in Abwesenheit verurteilt, Vorwürfe betreffen Verletzung religiöser Gefühle und Verbreitung von Falschnachrichten über russische Streitkräfte.

Ein Berufungsgericht in Moskau hat die Strafe gegen den wegen seiner Karnevalswagen zu achteinhalb Jahren Haft verurteilten Satiriker Jacques Tilly bestätigt.

Richter Wladimir Ussow verlas am Vormittag die Entscheidung des dreiköpfigen Kollegiums darüber, dass die Beschwerde der Verteidigung gegen das Urteil abgewiesen und das Strafmaß bestätigt sei. Ein russisches Gericht hat den Düsseldorfer Karnevalswagenbauer im April 2026 verurteilt. Die Verurteilung erfolgte in Abwesenheit. Tilly wurde auch nicht festgenommen.

Pflichtverteidigerin Natalja Dudkina begründete das Revisionsverfahren vor Gericht damit, dass während der Ermittlungen Tillys Schuldfähigkeit nicht durch ein psychiatrisches Gutachten geprüft worden sei. In ihrem Plädoyer Anfang April hatte sie Freispruch für Tilly aus Mangel an Beweisen beantragt.

"Es war meine gesetzliche Pflicht als Verteidigerin, gegen dieses Urteil Beschwerde einzulegen", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur im Gerichtssaal. Sie beklagte erneut, dass es ihr nicht gelungen sei, mit Tilly selbst Kontakt aufzunehmen. Russland habe ihn international zur Fahndung ausgeschrieben, sagte sie.

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Verteidigung: Fall nun abgeschlossen

Jetzt sei der Fall abgeschlossen, wenn nicht der Bildhauer selbst noch Kontakt aufnehme und darum ersuche, den Fall vor die nächste Instanz zu bringen, sagte Dudkina. Die Staatsanwaltschaft, die sich mit ihrer Strafforderung weitgehend durchgesetzt hatte, verzichtete auf Rechtsmittel. "Damit ist der Fall abgeschlossen. Ich sehe keinen Anlass, diesen absurden Schauprozess zu verlängern. Das Urteil ist ohnehin eine Farce. Es wird unsere satirische Arbeit im Karneval nicht beeinflussen. Wir machen weiter wie bisher", sagte Tilly auf dpa-Anfrage in Düsseldorf.

Tilly hatte immer wieder erklärt, dass er selbst von der russischen Justiz zu keinem Zeitpunkt informiert worden sei über die Ermittlungen gegen ihn. Mitarbeiter der Deutschen Botschaft beobachteten nun auch das Berufungsverfahren - wie den gesamten Gerichtsprozess in diesem Jahr.

Rose Monday parade in Dusseldorf

Ein Gericht in Moskau hatte im April geurteilt, dass Tilly sich mit seinen Darstellungen im Düsseldorfer Rosenmontagszug der Verletzung religiöser Gefühle und der Verbreitung von Falschnachrichten über die russischen Streitkräfte schuldig gemacht habe. Tilly hatte Kremlchef Wladimir Putin und den von ihm befohlenen Krieg in der Ukraine immer wieder satirisch angeprangert. Auch der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill wurde verspottet.

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