Wachsender Grönland-Konflikt: "USA stellen Bedrohung für Europa dar"

Sandra Navidi findet in der ZiB2 drastische Worte für Trumps Politik. Sie analysiert Trumps Machtansprüche, wirtschaftliche Interessen – und warnt: Grönland ist erst der Anfang.

Grönland ist zum Schauplatz eines wachsenden Konflikts zwischen den USA und Europa geworden. Während US-Präsident Donald Trump Strafzölle gegen Unterstützer Dänemarks und Grönlands ankündigt, bemühen sich die europäischen Staaten um Deeskalation, wollen dabei aber dennoch Stärke zeigen.

Unter anderem zu diesem Thema war am Montagabend die amerikanisch-deutsche Juristin und Unternehmensberaterin Sandra Navidi, die Politik und Wirtschaft in den USA analysiert, zu Gast in der ZiB2 bei Martin Thür.

Trump habe gegenüber der New York Times erklärt, dass es für ihn ein "psychologisches Bedürfnis" sei, Grönland besitzen zu wollen. Für ihn sei der Besitz von Territorien eine Frage des Eigentums. Etwas, das ihm gehören müsse.

"Völlig an den Haaren herbeigezogen"

Doch Navidi betont, dass hinter diesem Interesse weit mehr steckt als persönliche Ambitionen: "Es gibt auch viele Milliardäre in den USA, die ihm im Ohr sind." Sie nennt als Beispiel Ronald Lauder, den Erben der Kosmetik-Dynastie Estée Lauder, der bereits in Grönland investiert habe. Auch die sogenannten Tech-Titanen, die führenden Köpfe der Technologiebranche, hätten großes Interesse an Grönland, um dort "Network-States zu errichten, frei von Besteuerung und Regulierung".

Doch warum reicht es nicht, dass amerikanische Unternehmen bereits in Grönland investieren können? Navidi erklärt, dass es hierbei um Kontrolle geht. Ein eigenes Territorium zu besitzen, bedeute, dass die USA sich nicht an strenge Umwelt- oder Verbrauchervorschriften halten müssten. Besonders die strengen Umweltauflagen, die auch die Rechte der Inuits schützen, seien für Investoren ein Hindernis. Wer direkten Zugriff habe, könne nicht nur fördern, sondern auch Preise und Bedingungen selbst bestimmen.

"USA stellen Bedrohung für Europa dar"

Trump rechtfertigt seine Ambitionen mit angeblichen Sicherheitsbedrohungen durch Russland und China. Für Navidi ist das nicht glaubwürdig: "Nein, das ist völlig an den Haaren herbeigezogen." Jahrelang hätten die USA ihre militärische Präsenz in Grönland vernachlässigt. Gleichzeitig kündige Trump nun sogar eine Kooperation mit Russland in der Region an – ein klarer Widerspruch zur offiziellen Bedrohungsrhetorik. Mittlerweile sei es genau andersherum: "Die USA stellen eine Bedrohung für Europa dar".

Die Drohung mit militärischer Gewalt gegen ein NATO-Mitglied bezeichnet sie als "absoluten Tabubruch". Trump habe die NATO faktisch bereits unterlaufen, meint sie. Sein Verhalten gleiche jemandem, der sich nicht traut, Schluss zu machen und sich so schlecht benimmt, dass der andere geht. Für Europa bedeute das vor allem eines: größte Vorsicht.

Navidi über Trump: "Er lügt und er betrügt"

Trotz dieser negativen Auswirkungen scheint Trump sich nicht um die Konsequenzen seiner Politik zu kümmern. Er verhalte sich nicht wie jemand, der wiedergewählt werden müsse, sondern spreche bereits von der nächsten Amtseinführung.

Auf die Frage, was sich seit Trumps Amtsantritt verändert habe, ist Navidis Antwort klar: „Donald Trump hat sich eigentlich gar nicht verändert.“ Sein Verhalten sei psychologisch konsistent, sein politischer Stil ebenso. "Er lügt und er betrügt", sagt sie – und habe die Wähler auch beim Thema Krieg und Frieden bewusst getäuscht. Die aktuellen Initiativen, etwa ein Friedensrat für Gaza, seien vor allem Show und Erpressungsschema.

"Trump hat keinen Respekt vor Europa"

Navidi geht noch weiter und warnt vor Trumps langfristigen Plänen. Wer glaube, dass seine aggressive Politik mit Grönland enden werde, irre sich. Sie spricht von einer „Eroberungsliste“, die Trump abzuarbeiten scheine. 

Besonders besorgniserregend sei sein Schulterschluss mit Autokraten wie Wladimir Putin oder Alexander Lukaschenko: "Das zeigt Europa, wo es lang geht und wie es sich positionieren muss." Trump habe "keinen Respekt vor Europa", und auch die Tech-Titanen teilten diese Haltung.

Grönland nicht das Ende von Trumps Ambitionen

Die Strategie der Beschwichtigung hält Navidi für fatal. "Der Grund, warum Donald Trump immer weiter eskaliert und sich immer mehr rausnimmt, ist, weil ihm niemand eine Grenze aufzeigt." Wer glaube, dass Grönland das Ende seiner Ambitionen sei, "liegt völlig falsch." Es stünden noch weitere Ziele auf seiner Agenda – und deshalb sei jetzt der Moment gekommen, einen Fuß vorzuschieben.

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