Eskaliert Streit? Jetzt droht Trump NATO-Ländern wegen Grönland sogar mit Zöllen
Im Schlagabtausch um Grönland hat US-Präsident Donald Trump am Samstag einen Gang höher geschaltet.
Dänemark, Deutschland, Norwegen, Schweden, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und Finnland sollen ab dem 1. Februar neue Strafzölle in der Höhe von zehn Prozent bezahlen, wenn sie sich weiter gegen eine Einigung in der Grönland-Frage stellen. Ab dem 1. Juni sollen diese gar auf 25 Prozent steigen, wenn kein Abkommen für einen US-Kauf der Insel erzielt werde.
Diese Zölle würden offenbar auf die bereits bestehenden Zölle für Einfuhren aus EU-Staaten von aktuell 15 Prozent addiert werden. Genauere Erklärungen blieb Trump aber zunächst schuldig.
Angesichts der anhaltenden US-Drohungen, Grönland zu übernehmen, hatten Deutschland, Frankreich, Schweden und Norwegen am Freitag angekündigt, für die europäische Militärmission "Arctic Endurance" Soldaten auf die Arktis-Insel zu schicken. Bereits am Abend waren die ersten 15 französischen Soldaten in der Hauptstadt Nuuk eingetroffen. Auch die deutsche Bundeswehr will ein Erkundungsteam von 15 Soldaten schicken.
Kommen 15 Deutsche, 15 Franzosen, 15 Italiener nach Grönland...
Zahlen, die den italienischen Verteidigungsminister Guido Crosetto noch am Freitag von einem "Witz" sprechen ließen. "Ich frage mich, was sie dort tun sollen. Einen Ausflug machen?", sagte Crosetto, dessen Land sich nicht an Arctic Endurance beteiligt und nun auch nicht von den Zolldrohungen betroffen ist. "15 Italiener, 15 Franzosen, 15 Deutsche: Das klingt für mich wie der Anfang eines Witzes."
Trump konnte am Samstag darüber aber so gar nicht lachen. Er kritisierte die Entsendung der Soldaten als "sehr gefährliche Situation für die Sicherheit, den Schutz und das Überleben des Planeten".
Um die Spannungen zwischen den USA und den europäischen NATO-Mitgliedern zu lindern, war zuvor eine parteiübergreifende Delegation des US-Kongresses nach Kopenhagen gereist. Denn darüber, dass die Grönland-Krise dazu angetan ist, die NATO vor eine echte Zerreißprobe zu stellen, herrscht bei den meisten Beobachtern inzwischen Einigkeit. Mehr dazu lesen Sie hier.
In Dänemark ist der Widerstand gegen Trump indes ungebrochen. Am Samstag demonstrierten rund 20.000 Menschen in Kopenhagen gegen die Übernahmegelüste der USA. Ihr Motto: "Hände weg von Grönland!"
EU-Ratspräsident António Costa kritisierte Trumps Zoll-Ankündigung in einer ersten Stellungnahme. "Wenn wir Wohlstand wollen, müssen wir Märkte öffnen, nicht schließen. Wir müssen Zonen der wirtschaftlichen Integration schaffen und nicht die Zölle erhöhen", sagte er nach der Unterzeichnung des Freihandelsabkommens zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur in Paraguay auf die Frage nach Trumps Vorstoß. "Die EU war immer sehr entschlossen in der Verteidigung des Völkerrechts - und natürlich besonders im Gebiet eines Mitgliedstaats."
Trump zufolge ist Grönland wegen seiner strategischen Lage und seiner großen Mineralienvorkommen für die Sicherheit der USA von entscheidender Bedeutung. Grönland mit seinen 57.000 Einwohnern ist seit Jahrhunderten von Kopenhagen aus regiert worden und verfügt seit 1979 über eine weitreichende Autonomie.
Nur 17 Prozent der US-Bürger für Trumps Pläne
Es ist aber weiterhin Teil des Königreichs Dänemark, das für die Verteidigungs- und Außenpolitik zuständig ist und einen Großteil der Verwaltung finanziert. Alle fünf im grönländischen Parlament vertretenen Parteien befürworten zwar eine Unabhängigkeit, würden aber einen Verbleib bei Dänemark einem Anschluss an die USA vorziehen.
In den USA selbst stoßen Trumps Pläne auf wenig Gegenliebe. Einer Umfrage zufolge befürworten 17 Prozent der US-Bürger die Bemühungen Trumps, Grönland zu erwerben. Eine große Mehrheit sowohl der Demokraten als auch der Republikaner lehnt demnach den Einsatz militärischer Gewalt zur Annexion der Insel ab. Trump bezeichnete die Umfrage als "fake".
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