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Mindestens zehn Tote: Russland setzt massive Angriffswelle fort

Fokus der russischen Angriffe lag auf Kiew. Die Ukraine attackiert auch besetzte Krim erneut. Selenskij hatte vor schweren Luftschlägen gewarnt.
UKRAINE-RUSSIA-CONFLICT-WAR

In der Ukraine sind am Montag bei russischen Angriffen mehr als ein Dutzend Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Zahlreiche Wohngebäude seien schwer beschädigt worden. Der Angriff erfolgte kurz vor einem ab Dienstag geplanten NATO-Gipfel in der Türkei. US-Präsident Donald Trump will dort mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij zusammenkommen, um einen neuen Anlauf zu nehmen, den im Februar 2022 mit der russischen Invasion begonnenen Krieg zu beenden.

Rettungskräfte suchten in den Trümmern zerstörter Gebäude nach Überlebenden, wie der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mitteilte. Demnach wurden im gesamten Stadtgebiet mindestens 46 Menschen verletzt. Nach Angaben des Katastrophenschutzes wurden mindestens 15 Wohngebäude beschädigt oder zerstört. Besonders betroffen war der historische Stadtteil Podilskyj, wo unter anderem ein neungeschossiges Wohnhaus ab dem fünften Stockwerk weitgehend zerstört wurde. Die Generalstaatsanwaltschaft erklärte, neben dem Bezirk Podilskyj habe auch der östliche Stadtteil Darnytskyi im Zentrum der Angriffe gelegen. Dort seien zwei Menschen ums Leben gekommen, als Trümmerteile ein 25-stöckiges Wohngebäude trafen.

600 Menschen evakuiert 

Nach einem russischen Raketenangriff stieg die Zahl der Toten in der Satellitenstadt Wyschnewe am Westrand von Kiew auf fünf. Weitere 21 Verletzte seien in Krankenhäuser gebracht worden, teilte der Zivilschutz bei Telegram mit. Zuvor mussten den Angaben nach über 600 Menschen aus Sicherheitsgründen aus Wyschnewe evakuiert werden. Videos, die unter anderem vom Internetportal „Hromadske“ veröffentlicht wurden, zeigten Folgeexplosionen mutmaßlich von gelagerter Munition nach dem Einschlag einer russischen Rakete.

Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte Russland bei dem Angriff 68 Raketen - darunter 23 ballistische Raketen und sechs Zirkon-Hyperschallraketen - sowie 351 Drohnen ein. Die ukrainische Luftabwehr habe 37 Raketen abgeschossen oder unschädlich gemacht, jedoch keine der ballistischen Raketen oder Zirkon-Geschosse abfangen können. Die Ukraine verweist seit längerem auf einen Mangel an Abfangraketen für das Patriot-Abwehrsystem, das als einziges wirksames Mittel gegen ballistische Raketen gilt.

Kiew forciert Druck auf Krim

Die Ukraine griff Russland nach Angaben aus Moskau mit mehr als 500 Drohnen an. 519 Drohnen seien abgeschossen worden, meldete das russische Verteidigungsministerium. Derweil berichtete das unabhängige Internetportal Astra von einem erneuten Angriff auf die Raffinerie in der Großstadt Jaroslawl nördlich von Moskau. Auf in sozialen Netzwerken kursierenden Bildern seien Rauchwolken über der Anlage zu erkennen. Die Raffinerie ist in der Vergangenheit schon mehrfach attackiert worden.

Offiziell gibt es keine Angaben zu möglichen Schäden an der Ölverarbeitungsanlage. Laut dem Jaroslawler Gouverneur Michail Jewrajew hat die Flugabwehr mehr als 70 Drohnen abgeschossen. „Zwei Menschen haben Splitterverletzungen erlitten“, sie würden im Krankenhaus behandelt, schrieb er auf Telegram. Er warnte vor möglichen weiteren Angriffen.

Several killed, dozens injured after large-scale Russian attack on Kyiv

Ukraine attackiert auch besetzte Krim erneut

Insgesamt hat die Ukraine nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau rund 20 russische und unter russischer Kontrolle stehende Regionen attackiert, darunter auch einmal mehr die seit 2014 von Moskau annektierte Krim. Auf der Halbinsel hätten Drohnenangriffe eine Frau getötet und zwei weitere Menschen verletzt, schrieb der von Moskau eingesetzte Statthalter Sergej Aksjonow.

In der Hafenstadt Sewastopol wiederum sei die Energieinfrastruktur getroffen worden, teilte der eingesetzte Gouverneur Michail Raswoschajew mit. Später schrieb er, dass die Stromversorgung für die meisten Haushalte nach der Umstellung auf Reservekapazitäten wiederhergestellt sei.

Ukraine greift Ostseehäfen mit Drohnen an

Bei ukrainischen Drohnenangriffen wurden die russischen Ostseehäfen Wysozk und Ust-Luga nach örtlichen Angaben beschädigt. Ust-Luga ist einer der wichtigsten russischen Exporthäfen für Öl. Nach Angaben des Regionalgouverneurs Alexander Drosdenko wurden in der Gegend 56 Drohnen abgeschossen.

In der Region Kaluga rund 190 Kilometer südlich von Moskau geriet nach einem Drohneneinschlag ein Industriegelände in Brand. In der Region Jaroslawl knapp 270 Kilometer nordöstlich der russischen Hauptstadt wurden zwei Menschen durch Splitter infolge eines Drohnenangriffs verletzt.

Selenskij hinsichtlich Luftabwehr bei Verbündeten unermüdlich

Der ukrainische Staatschef Wolodimir Selenskij hatte am Sonntag davor gewarnt, dass Russlands Präsident Wladimir Putin noch vor Beginn des NATO-Gipfels in der Türkei am Dienstag schwere Luftangriffe befehlen dürfte. Dabei berief er sich auf Informationen des ukrainischen Geheimdienstes. „Das entspricht ganz Putins Art - unmittelbar nach dem amerikanischen Unabhängigkeitstag (am 4. Juli) und vor dem NATO-Gipfel in Ankara“ wolle er „noch mehr Unheil anrichten und Menschen töten“, sagte Selenskij. Er appellierte an die Partner seines Landes, die ukrainische Flugabwehr stärker zu unterstützen.

„Jede Verzögerung bei der Lieferung von Raketen für unsere Flugabwehr und für die Patriot-Systeme kostet Menschenleben und ermutigt Russland, den Krieg fortzusetzen“, sagte er. Die Welt verfüge durchaus über die notwendige Menge und Qualität an Flugabwehrsystemen. Nötig sei aber, diese der Ukraine auch bereitzustellen. „Und das sind natürlich in erster Linie die Entscheidungen der USA, die Entscheidungen der Mächtigen in Europa und in der Welt.“ Der Ukraine sei klar, dass der politische Wille der USA durchaus ausreichen würde, um den Mangel an Patriot-Systemen zu beheben, führte Selenskij weiter aus. „Doch bisher fehlt es an einer solchen Unterstützung.“

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