Mindestens zehn Tote: Russland setzt massive Angriffswelle fort
In der Ukraine sind am frühen Montagmorgen bei russischen Angriffen mindestens zehn Menschen getötet worden. Inzwischen seien in Kiew „neun Tote und 46 Verletzte“ bestätigt, teilte der Chef der Militärverwaltung der Hauptstadt, Tymur Tkatschenko, im Onlinedienst Telegram mit. Unter den Verletzten sind seinen Angaben zufolge fünf Kinder. Ein weiteres Todesopfer wurde in Butscha nordwestlich von Kiew gemeldet.
Der Chef der Militärverwaltung in Kiew warnte vor möglichen weiteren Opfern. „Die Rettungseinsätze dauern weiter an“, erklärte er. „Traurigerweise ist dies nicht die endgültige Bilanz.“ Zuvor hatte Tkatschenko auf Telegram mitgeteilt, der Feind greife „mit ballistischen Raketen“ an. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP gaben an, während eines Raketenalarms in der ukrainischen Hauptstadt mehr als zehn Explosionen gehört zu haben. Zudem hätten sie Lichtblitze im Himmel gesehen.
„Es gibt keine Worte, die diesen Schmerz lindern können“, erklärte Tkatschenko. Der Angriff habe vier Brände ausgelöst, alle in Wohngebäuden. „Orte, an denen die Menschen in der Nacht einfach nur schliefen“, fügte Tkaschenko hinzu. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko teilte mit, die Luftabwehr sei im Einsatz. Er rief die Bevölkerung auf, in Schutzräumen zu bleiben. Es handelt sich um den zweiten tödlichen Angriff auf Kiew binnen weniger als einer Woche.
Angeblich setzten die Angreifer neben zahlreichen Drohnen und Raketen auch Dutzende Marschflugkörper ein. Tausende seien vor den Angriffen in U-Bahn-Stationen geflohen, berichtete das Nachrichtenportal „The Kyiv Independent“. In Kiew wurden den Berichten zufolge Wohngebäude in mehreren Stadtteilen getroffen. Ein Plattenbau stürzte teilweise ein, in der Mitte des Wohnblocks klaffte ein riesiges Loch, sodass die Rettungskräfte durch das Haus hindurchschauen konnten. Unter den Trümmern wurden verschüttete Menschen befürchtet.
Kiew forciert Druck auf Krim
Die Ukraine griff Russland nach Angaben aus Moskau mit mehr als 500 Drohnen an. 519 Drohnen seien abgeschossen worden, meldete das russische Verteidigungsministerium. Derweil berichtete das unabhängige Internetportal „Astra“ von einem erneuten Angriff auf die Raffinerie in der Großstadt Jaroslawl nördlich von Moskau. Auf in sozialen Netzwerken kursierenden Bildern seien Rauchwolken über der Anlage zu erkennen. Die Raffinerie ist in der Vergangenheit schon mehrfach attackiert worden.
Offiziell gibt es keine Angaben zu möglichen Schäden an der Ölverarbeitungsanlage. Laut dem Jaroslawler Gouverneur Michail Jewrajew hat die Flugabwehr mehr als 70 Drohnen abgeschossen. „Zwei Menschen haben Splitterverletzungen erlitten“, sie würden im Krankenhaus behandelt, schrieb er auf Telegram. Er warnte vor möglichen weiteren Angriffen.
Ukraine attackiert auch besetzte Krim erneut
Insgesamt hat die Ukraine nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau rund 20 russische und unter russischer Kontrolle stehende Regionen attackiert, darunter auch einmal mehr die seit 2014 von Moskau annektierte Krim. Auf der Halbinsel hätten Drohnenangriffe eine Frau getötet und zwei weitere Menschen verletzt, schrieb der von Moskau eingesetzte Statthalter Sergej Aksjonow.
In der Hafenstadt Sewastopol wiederum sei die Energieinfrastruktur getroffen worden, teilte der eingesetzte Gouverneur Michail Raswoschajew mit. Später schrieb er, dass die Stromversorgung für die meisten Haushalte nach der Umstellung auf Reservekapazitäten wiederhergestellt sei.
Ukraine greift Ostseehäfen und Krim mit Drohnen an
Bei ukrainischen Drohnenangriffen wurden die russischen Ostseehäfen Wysozk und Ust-Luga nach örtlichen Angaben beschädigt. Ust-Luga ist einer der wichtigsten russischen Exporthäfen für Öl. Nach Angaben des Regionalgouverneurs Alexander Drosdenko wurden in der Gegend 56 Drohnen abgeschossen.
In der Region Kaluga rund 190 Kilometer südlich von Moskau geriet nach einem Drohneneinschlag ein Industriegelände in Brand. In der Region Jaroslawl knapp 270 Kilometer nordöstlich der russischen Hauptstadt wurden zwei Menschen durch Splitter infolge eines Drohnenangriffs verletzt.
Selenskij hinsichtlich Luftabwehr bei Verbündeten unermüdlich
Der ukrainische Staatschef Wolodimir Selenskij hatte am Sonntag davor gewarnt, dass Russlands Präsident Wladimir Putin noch vor Beginn des NATO-Gipfels in der Türkei am Dienstag schwere Luftangriffe befehlen dürfte. Dabei berief er sich auf Informationen des ukrainischen Geheimdienstes. „Das entspricht ganz Putins Art - unmittelbar nach dem amerikanischen Unabhängigkeitstag (am 4. Juli) und vor dem NATO-Gipfel in Ankara“ wolle er „noch mehr Unheil anrichten und Menschen töten“, sagte Selenskij. Er appellierte an die Partner seines Landes, die ukrainische Flugabwehr stärker zu unterstützen.
„Jede Verzögerung bei der Lieferung von Raketen für unsere Flugabwehr und für die Patriot-Systeme kostet Menschenleben und ermutigt Russland, den Krieg fortzusetzen“, sagte er. Die Welt verfüge durchaus über die notwendige Menge und Qualität an Flugabwehrsystemen. Nötig sei aber, diese der Ukraine auch bereitzustellen. „Und das sind natürlich in erster Linie die Entscheidungen der USA, die Entscheidungen der Mächtigen in Europa und in der Welt.“ Der Ukraine sei klar, dass der politische Wille der USA durchaus ausreichen würde, um den Mangel an Patriot-Systemen zu beheben, führte Selenskij weiter aus. „Doch bisher fehlt es an einer solchen Unterstützung.“
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