Russland-Experte Mangott: Dynamik im Ukraine-Krieg verändert sich
Die Dynamiken im Ukraine-Krieg haben sich verändert. Noch vor wenigen Monaten schien Russland militärisch klar überlegen zu sein. Inzwischen habe sich die Situation aber "deutlich verändert“, sagt der Politikwissenschaftler Gerhard Mangott im Gespräch mit Armin Wolf in der ZiB2.
"Die Ukraine hat vor allem mit ihrer Drohnentechnologie die Lage am Schlachtfeld verändert“, erklärt Mangott. Besonders in der sogenannten Todeszone zwischen den Frontlinien sei "für die russische Seite kaum noch ein Vorrücken möglich“.
Wirtschaftlich geschwächt
Aber auch weit hinter der Front setzte die Ukraine Russland zunehmend unter Druck. "Die Ukraine hat es geschafft, Mittelstreckendrohnen zu entwickeln“, sagt Mangott. Damit gelinge es unter anderem russische Munitionsdepots zu zerstören.
Mit Langstreckendrohnen greife die Ukraine mittlerweile auch Raffinerien, Ölleitungen und andere Teile der Energieinfrastruktur an. Dadurch habe die Ukraine Russland "deutlich geschwächt in seiner wirtschaftlichen Entwicklung“, sagt Mangott.
Die Auswirkungen seien also inzwischen auch in Russland selbst spürbar. Nicht nur bei der Bevölkerung sondern auch innerhalb der russischen Elite. Hinter den Kulissen bekomme man dort zu hören, dass man nicht genau wisse, "ob Putin überhaupt noch einen Plan hat, wie er aus diesem Krieg rauskommen will – und zwar siegreich“, sagt Mangott.
Wenn Russland wollen würde, könne es laut Mangott den Krieg aber durchaus weiter verschärfen. Etwa mit Großangriffen auf zivile Städte. "Dass Russland neue zusätzliche Waffensysteme besitze, die sie bisher noch nicht eingesetzt haben, ist nichts zu erwarten."
Botschaft an die russische Bevölkerung?
Putins jüngste Aussage, wonach sich der Krieg dem Ende nähere, deutet Mangott vor allem als Botschaft an die eigene Bevölkerung. "Er will ihr Hoffnung machen, dass der Krieg bald vorbei ist“, sagt der Politikwissenschaftler.
Ob Russland tatsächlich zu ernsthaften Verhandlungen bereit sei, bleibe offen. Dennoch sollte Europa laut Mangott Gespräche nicht ausschließen. "Die Europäische Union vergibt sich nichts, wenn sie mit Russland spricht“, betont er. Auch wenn sich dann herausstellen sollte, dass Russland nicht kompromissbereit ist.
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