Russlandexperte Gerhard Mangott über Hass, Outing und seinen Partner

Ein Mann im hellen Anzug in einem TV-Studio
Der Politologe zeigt im ORF-Talk "Hinter den Schlagzeilen" mit Patrick Budgen erstmals seinen Lebenspartner.

Zusammenfassung

  • Gerhard Mangott sprach im ORF-Talk erstmals offen über seinen Lebenspartner Werner und seine Homosexualität.
  • Er berichtete über eine schwere Zeit mit Depressionen und Anfeindungen in sozialen Medien, die er mit Unterstützung von Werner und medizinischer Hilfe überwand.
  • Mangott betonte die Bedeutung von Unterstützung durch seinen Partner und sprach auch über den Umgang mit einer Krebsdiagnose.

Politologe Gerhard Mangott ist einer der führenden Erklärer und Einordner der aktuellen Krise zwischen Russland und der Ukraine, ein absoluter Russland-Experte. Seit fast 40 Jahren beschäftigt er sich mit Russland. Er ist auch u. a. immer wieder in der ZiB2 bei Armin Wolf zu Gast. 

Vor eineinhalb Jahren hat er sich aber eine längere Auszeit genommen. Dauerhafte Anfeindungen in den sozialen Medien haben dem gebürtigen Tiroler schwer zugesetzt. "Ich habe Angst, nicht mehr gesund zu werden, jeden Tag mehr. Ich hoffe, dass die Hetzer sich bewusst sind, was sie angerichtet haben", postete er im November 2024 auf X (vormals Twitter)

Erschöpfungsdepression

Er litt monatelang an einer Depression.

Mittlerweile würde es ihm aber wieder gut gehen, nur die Zeit damals war sehr schwer für ihn, erzählte er jetzt Patrick Budgen im ORF-Talk "Hinter den Schlagzeilen". "Ich hab's immer genannt, Sterben ohne Tod", so Mangott.

Er habe die Zeichen nicht rechtzeitig erkannt und sich schlussendlich zu viel zugemutet. Auch die vielen Angriffe auf seine persönliche Integrität waren sehr belastend. "Ich habe mir diese Dinge sehr nahe gehen lassen, ich konnte nicht richtig damit umgehen", so Mangott. Auch rechtlich könne man kaum etwas dagegen tun. 

Er habe immer nach bestem Wissen und Gewissen versucht möglichst objektiv über diesen Krieg zu berichten. 

Medikamente, viele Gespräche und Zeit für sich und seinen Partner haben ihn dann schlussendlich wieder stabilisiert. 

Lebenspartner Werner

Er ist bereits seit vielen Jahren mit seinem Lebenspartner namens Werner, ein Psychiater aus Tirol, zusammen. 

Zwei Männer im Talkshow-Studio, im Hintergrund ein Foto von zwei Männern im Anzug.

Gerhard Mangott bei Patrick Budgen

"Er war fundamental wichtig, ohne ihn hätte ich das nicht durchgestanden", so Mangott zu Patrick Budgen. "Erstens, er ist vom Fach und weiß, was in mir vorgeht und zum zweiten, er ist so ein liebevoller, unterstützender Mensch an meiner Seite, der mir zugeredet hat und der mir zugehört hat. Das war einfach das Beste, was ich haben konnte."

Dann kam auch noch eine Krebsdiagnose dazu. Aber auch diese hat Mangott bewältigt. 

In "Hinter den Schlagzeilen" sprach er auch über seine Homosexualität. Er habe sich lange niemanden anvertraut, erstmals dann seiner damaligen Freundin, aber das auch erst nach acht Jahren Beziehung. 

Seine Mutter sei früh gestorben und sein Vater habe nichts geahnt. Im Kollegenkreis und mit seinem Freunden habe er dann schon auch offen darüber gesprochen, er hatte aber Angst, es seinem Vater zu sagen.

"Ich habe dann zu einem Mittel gegriffen, das ein bisschen feige ist. Ich hab einen Brief an ihn geschrieben und ihm erläutert, was ich fühle, wer ich bin, was ich erlebt habe und was ich machen möchte und ihm um Verständnis dafür gebeten." Und dieses hatte sein Vater auch. 

Die ganze Sendung ist auf ORF ON abrufbar.

 

Kommentare