Russland sammelt Truppen in Belarus – nur ein Bluff?

Ein Feld voller zerstörter Raketen und Raketenteile.
Erneut wurden Menschen bei Raketenangriffen auf ukrainische Städte verletzt.

Tausende russische Soldaten haben am Freitag mit Panzern und anderer, schwerer Militärtechnik in Belarus an der Grenze zur Ukraine Stellung bezogen. Sie bilden mit den belarussischen Streitkräften eine neue Einheit „zur Erfüllung jedweder Aufgabe“, heißt es im russischen Staatsfernsehen. Schon zu Kriegsbeginn marschierten aus dem Süden von Belarus russische Soldaten in den Norden der Ukraine ein – von dort aus ist es nicht mehr weit nach Kiew.

Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko beteuerte, dass er sich nicht in den Krieg einmischen werde, sondern sich lediglich auf die Verteidigung konzentriere. Doch die Ukraine sieht den nördlichen Nachbarn von Anfang an als aktive feindliche Kriegspartei.

„Lukaschenko und Putin ziehen unser Land in den Krieg, sie lügen, dass angeblich von ukrainischer Seite eine Bedrohung ausgeht“, schimpfte die im Exil lebende belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja am Freitag auf Twitter.

Verwirrspiel

Das britische Verteidigungsministerium relativierte die Gefahr, die von den neuen Stellungen ausgeht, unter Berufung auf Geheimdienstinformationen: „Die Ankündigung ist wahrscheinlich ein Versuch, russisch-belarussische Solidarität zu demonstrieren und die Ukraine dazu zu bringen, Truppen zum Schutz ihrer nördlichen Grenze abzuziehen“, heißt es im wöchentlichen Briefing. Es sei unwahrscheinlich, dass Russland eine weitere kampfbereite Truppe aufstellen könne, da seine Streitkräfte im Osten der Ukraine gebunden seien. Das belarussische Militär verfüge zudem höchstwahrscheinlich nur über minimale Fähigkeiten zur Durchführung komplexer Operationen.

Raketenangriffe

Bei erneuten Luftangriffen auf ukrainische Städte sind den örtlichen Behörden zufolge mindestens zwölf Menschen verletzt worden. In Saporischschja hätten russische Raketen ein Wohnhaus sowie eine Schule und die Energieinfrastruktur beschädigt, teilte der Gouverneur der Gebietsverwaltung am Freitag mit. Mindestens drei Menschen seien verletzt worden.

Auch die Behörden in Charkiw im Osten der Ukraine berichteten von weiteren russischen Attacken. Dabei seien insgesamt neun Menschen verletzt worden. Die Bewohner wurden dazu aufgerufen, Schutzräume aufzusuchen.

Nach Recherchen des NDR plant Russland die Ausfuhr von insgesamt 1,8 Millionen Tonnen Getreide aus den besetzten Gebieten der Ukraine. Das geht aus der Auswertung von Schiffsdaten, Satellitenbildern sowie russischen Dokumenten hervor. Offenbar wurden schon eine Million Tonnen Getreide über Seehäfen der annektierten Krim-Halbinsel verschifft, heißt es in dem Bericht.

Von den Journalisten befragte Experten schätzten die Enteignung der Ernte als Völkerrechtsbruch und damit als Kriegsverbrechen ein.

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