© Maxim Kireev

Politik | Ausland
06/02/2019

Russland: Moskau wittert Provokation

Nach kurzer Schreckstarre ging der Kreml in die Offensive, sieht einen Versuch, die "konstruktiven Beziehungen" zu sabotieren.

Die Erleichterung kam nach wenigen Tagen. Anfangs gab sich der Kreml wortkarg. Putins Sprecher Peskow wollte das Auftauchen des Ibiza-Videos nicht kommentieren, weil es nichts mit „Russland oder dem Präsidenten“ zu tun habe. Erst als die Gewissheit reifte, dass die Frau, mit der sich Heinz-Christian Strache traf, wohl keine Russin ist, schaltete das offizielle Moskau in den Angriffsmodus.

Am Mittwoch verglich Außenminister Lawrow die angebliche russische Spur zur Skripal-Gift-Affäre und sah darin ein Symptom für die russlandfeindliche Haltung des Westens. „Russophobie ist jetzt Mode“, so Außenminister Lawrow. Man könne alles auf die Russen schieben, nach dem „Highly-Likely-Prinzip“ von Theresa May. Als „highly likely“, also als höchstwahrscheinlich, hatte die britische Regierungschefin die Verstrickung des Kremls in den Giftanschlag auf Ex-Agenten Sergej Skripal bezeichnet.

Der Chef des Außen-Ausschusses der Duma bezeichnete die Ibiza-Affäre als Provokation: „Ihr Ziel war es, die konstruktiven Beziehungen zwischen Wien und Moskau ins Wanken zu bringen.“ Es handle sich um „eine grobe Einmischung in die Angelegenheiten eines der ältesten Staaten Europas mit einem klaren antirussischen Hintergrund“. Tatsächlich galt Österreich als das Land mit der aus Moskauer Sicht pragmatischsten Haltung gegenüber Russland.

Deswegen gilt Moskaus Sorge weniger der FPÖ als der Zukunft von Ex-Kanzler Sebastian Kurz. Man hoffe, dass bei jedem Wahlergebnis – und auch unter der Interimsregierung – die allgemeine Haltung zu den bilateralen Beziehungen erhalten bleibe, heißt es. Russlands Botschafter in Wien hofft jedenfalls auf Kontinuität mit Bierlein.