Russland: Frauen ohne Kinderwunsch sollen zum Psychologen
Zusammenfassung
- Russland will Frauen ohne Kinderwunsch künftig zu Psychologen schicken, um ihre Einstellung zur Familiengründung zu beeinflussen.
- Die Geburtenrate liegt mit 1,4 Kindern pro Frau auf historischem Tiefstand, was die Regierung als demografisches Problem betrachtet.
- Bereits zuvor wurden Maßnahmen wie verschärfte Abtreibungsregeln, ein Verbot von Kinderlosigkeits-Propaganda und finanzielle Hilfen für kinderreiche Familien eingeführt.
Im Kampf gegen die niedrige Geburtenrate will Russland Frauen ohne Kinderwunsch künftig zu Psychologen schicken, die sie zu einer "positiven Einstellung" in Bezug auf Nachwuchs bringen sollen.
Das geht aus neuen Richtlinien des Gesundheitsministeriums hervor, die Ende Februar verabschiedet wurden und über die Staatsmedien in dieser Woche berichteten. In den vergangenen Jahren wurden hunderttausende junge Russen an die Front in der Ukraine geschickt.
Die Geburtenrate in Russland liegt bei etwa 1,4 Kindern pro Frau und damit so niedrig wie seit 200 Jahren nicht. Laut Demografen ist ein Wert von 2,1 notwendig, um die Bevölkerungszahl stabil zu halten.
Das Regime sieht das Problem bei den Frauen
Gemäß den neuen Richtlinien sollen Ärzte Frauen bei Untersuchungen fragen, wie viele Kinder sie haben möchten. Gibt eine Frau an, kein Kind haben zu wollen, wird den Angaben zufolge "empfohlen", sie zu einem Gespräch bei einem Psychologen zu schicken, "mit dem Ziel, eine positive Einstellung in Bezug aufs Kinderkriegen zu entwickeln".
Die Regierung von Präsident Wladimir Putin hat bereits verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die demografischen Probleme anzugehen. Unter anderem wurden die Abtreibungsbestimmungen verschärft, und das Parlament verabschiedete ein Gesetz, das "Propaganda" für Kinderlosigkeit verbietet. Kinderreiche Familien erhalten großzügige Staatshilfen.
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