Geburtenrate weltweit: Warum die Menschheit schrumpfen wird
Es geht bergab. Nicht wirtschaftlich, sondern gleichsam gesellschaftsgrößentechnisch. Warnte man vor Jahrzehnten noch vor der Gefahr der „Überbevölkerung“ – also davor, dass es mehr Menschen auf der Welt gibt als Kapazitäten, diese adäquat zu versorgen – hat sich das Bild verkehrt.
Die Weltbevölkerung ist auf lange Sicht im Begriff, zu schrumpfen. Derzeit leben über acht Milliarden Menschen auf der Welt – bis 2050 sollen es rund 10 Milliarden sein, doch: 2100 wird die Zahl der Menschen laut Berechnungen des Institute for Health and Metrics and Evaluation der Universität Washington sinken. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die magische Zahl: 2,1.
Fertilitätsrate 2,1
2,1 Kinder „muss“ jede Frau im Schnitt bekommen, damit die Bevölkerung eines Landes – ohne Migration – nicht schrumpft. Jeweils ein Kind ersetzt ein Elternteil, weil aber ungefähr jeder zehnte Mensch stirbt, bevor er geschlechtsreif wird, ist die abstrakte Vorstellung von 2,1 Nachkommen notwendig.
Doch dem ist weltweit nicht mehr so. Die sogenannte Fertilitätsrate (Kinder pro Frau) sinkt – bis auf wenige Ausnahmen weltweit.
Lag die Fertilitätsrate in Österreich 1990 noch bei 1,46 Kindern/Frau, liegt sie aktuell (letztverfügbare Daten der Statistik Austria aus 2024) bei 1,31 Kindern/Frau und damit weit entfernt von den „magischen“ 2,1 und zudem unter dem EU-Schnitt von 1,38 Kindern/Frau.
„Kopfsache Kind“
Was kann oder will die Bundesregierung aber tun, um dem Trend in Österreich entgegenzuwirken – zumal u. a. das Pensionssystem auf dem Generationenvertrag und Umlagesystem (Erwerbstätige finanzieren Pensionen) aufbaut?
Die Koalition von ÖVP, SPÖ und Neos sieht einen Schlüssel in der Betreuung und will laut Regierungsprogramm, dass langfristig jedes Kind in Österreich einen ganzjährigen und ganztägigen Kinderbetreuungsplatz erhält. Für ÖVP-Familienministerin Claudia Bauer ist „Kinder zu bekommen zu einer totalen Kopfsache geworden, der Bauch redet da oft gar nicht mehr mit“.
Es beginne, so Bauer, mit dem „4-seitigen Beipackzettel zur Schwangerschaft, was man alles auf gar keinen Fall essen sollte, und endet unter einem Berg von Ratgebern, mit welchem Erziehungsstil und welcher Frühförderung man seinen Nachwuchs zum Olympiasieger oder Nobelpreisträgerin erzieht.“ Gesellschaft wie Politik müssten die Erwartungen an Elternschaft an „Lebensrealitäten anpassen und wieder auf ein vernünftiges Maß bringen“.
Für Eva-Maria Holzleitner, SPÖ-Frauenministerin, ist es auf Nachfrage unabdingbar, „Frauen echte Entscheidungsfreiheit zu ermöglichen, ob sie Kinder bekommen möchten oder nicht, wie sie Beruf und Familie verbinden oder welche Lebensentwürfe sie verfolgen.“ Dies sei das Ziel einer feministischen Politik.
Claudia Bauer, Eva-Maria Holzleitner
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