Politik | Ausland
11.04.2018

Russland droht mit Vergeltungsschlägen bei US-Angriff auf Syrien

Nach dem mutmaßlichen Giftangriff in Syrien nehmen die Spannungen zwischen den beiden Atommächten zu. Eine direkte Konfrontation droht.

  • Potenzielle Angriffsziele wären auch US-Kriegsschiffe in der Region
  • Trump und Macron hatten nach mutmaßlichem Giftangriff durch die syrische Armee einen Militärschlag in Aussicht gestellt
  • Russland legte im UNO-Sicherheitsrat Veto gegen einen von den USA vorgelegten Resolutionsentwurf ein
  • Chemiewaffen-Experten reisen in die syrische Stadt Duma

Der russische Botschafter im Libanon hat den USA mit Vergeltungsschlägen gegen ihre Streitkräfte gedroht, sollten sie Syrien mit Raketen angreifen. "Wenn es einen Angriff der Amerikaner geben sollte, dann ... würden die Raketen abgeschossen", sagte Botschafter Alexander Sasypkin am Dienstagabend dem Hisbollah-Fernsehsender al-Manar.

Es würden aber auch die Abschussvorrichtungen angegriffen, von denen aus die Raketen abgefeuert würden, sagte er unter Berufung auf eine Erklärung des russischen Präsidenten Wladimir Putin und des russischen Armeechefs. Potenzielle Angriffsziele wären damit auch US-Kriegsschiffe in der Region, wenn von denen Marschflugkörper abgefeuert würden. Damit würde eine direkte Konfrontation der beiden Atommächte drohen.

Noch am Vortag hatte Vize-Außenminister Michail Bogdanow die Gefahr einer militärischen Konfrontation als gering bezeichnet und erklärt, es gebe auf Arbeitsebene Kontakte zwischen Vertretern beider Mächte wegen Syrien. Er glaube, dass sich der gesunde Menschenverstand durchsetzen werde.

Unklarheit über Giftangriff

Die USA und andere westliche Staaten werfen Russland vor, für mutmaßliche Giftgasangriffe im syrischen Duma am Samstag mitverantwortlich zu sein, bei denen nach Angaben von Hilfsorganisationen bzw. der UNO rund 50 Menschen starben. Als Hauptverantwortlichen betrachten die USA die Regierung des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad. Russland erklärte hingegen, die Rebellen hätten den Angriff nur inszeniert.

Im April 2017 hatten die USA als Reaktion auf einen mutmaßlichen Giftgas-Angriff auf die von Rebellen gehaltene Stadt Khan Sheickoun von zwei Kriegsschiffen im Mittelmeer aus einen syrischen Luftwaffenstützpunkt mit Marschflugkörpern beschossen.

Spaltung im UNO-Sicherheitsrat

Am Dienstag sind die Differenzen zwischen den beiden Großmächten im UNO-Sicherheitsrat offen zutage getreten: Russland legte erwartungsgemäß sein Veto gegen einen von den USA vorgelegten Resolutionsentwurf zu dem jüngsten mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien ein.

In dem Entwurf wurde ein neuer "unabhängiger Mechanismus" zur Untersuchung der Giftgasvorwürfe vorgeschlagen. Zwei von Russland zur Abstimmung vorgelegte Resolutionsentwürfe wurden ebenfalls abgelehnt.

Gegen den US-Entwurf stimmte am Dienstag außer Russland lediglich Bolivien. China enthielt sich der Stimme. Moskau, das im Syrien-Konflikt auf der Seite der Regierung von Machthaber Bashar al-Assad steht, hatte zuvor bereits elf mal mit seinem Veto UNO-Resolutionen zu Syrien blockiert.

Trump und Macron kündigten Militärschlag an

Am Dienstag hatten Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und US-Präsident Donald Trump nach einem Telefonat mit einer "starken Reaktion" der Weltgemeinschaft. Nach Worten Macrons sind Angriffe auf "chemische Kapazitäten" des Regimes möglich. Frankreich tausche sich mit Partnern aus, vor allem mit den USA und mit Großbritannien: "Wir werden unsere Entscheidung in den kommenden Tagen mitteilen", sagte Macron am Dienstag in Paris.

US-Präsident Donald Trump hat eine geplante Reise nach Peru und Kolumbien wegen der jüngsten Ereignisse abgesagt. Trump bleibe in den Vereinigten Staaten, um sich um die Reaktion der USA auf den mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien zu kümmern.

Nach Angaben von Aktivisten wurden die syrischen Regierungstruppen in Erwartung eines Angriffs in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt.

Chemiewaffen-Experten reisen nach Duma

Die Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) wird in Kürze Experten nach Duma schicken, um dort den möglichen Angriff mit Chemiewaffen zu untersuchen. Wann das Team abreisen wird, wurde nicht mitgeteilt. Die Bitte sei zeitlich mit einer Anfrage Syriens und Russlands nach Entsendung von Experten zusammengefallen.

Seit dem mutmaßlichen Angriff hätten die Experten bereits Informationen gesammelt und analysiert, teilte die OPCW mit. Nun sollte ein spezielles Ermittlerteam an Ort und Stelle in Duma die Vorwürfe untersuchen.