Politik | Ausland
26.09.2018

Reise im Privatjet: Foulspiel von Viktor Orbán

Bestechlichkeits-Vorwürfe: Der ungarische Premierminister kam seinen Oligarchenfreunden wieder einmal zu nahe.

Viktor Orbán liebt Fußball. Es gibt Tage, an denen er sich sechs Spiele im Fernsehen anschaut. Doch am allerliebsten ist er selbst im Stadion.

So auch Ende Juli. Der Videoton FC spielte in der Champions-League-Qualifikation auswärts gegen den bulgarischen Meister Ludogorez in Rasgrad. Das konnte sich der Spitzenpolitiker nicht entgehen lassen, denn neben seinem Heimatverein aus Felcsút und der ungarischen Nationalmannschaft schlägt das Fußballherz des Premiers auch für den Videoton FC aus dem westungarischen Székesfehérvár.

Gratis im Privatjet

Soweit so legal. Doch Viktor Orbán entschied sich, mit seinem Freund István Garancsi im Privatjet nach Bulgarien zu fliegen, berichtet die Aufdeckerplattform Atlatszo.hu. Ein Sprecher des Premiers bestätigte das. Garancsi ist der Besitzer von Videoton FC. Der Bauunternehmer, der riesige öffentliche Aufträge in Budapest an Land ziehen konnte, ist einer der reichsten Ungarn und zählt in seiner Heimat zu den größten Empfängern von EU-Fördergeldern. Garancsis Unternehmensimperium lebt fast ausschließlich von staatlichen Aufträgen. Ein gutes Verhältnis zum Regierungschef ist da sicher kein Fehler.

Die linksliberale Oppositionspartei Párbeszéd droht Viktor Orbán jetzt mit einer Anzeige wegen Bestechlichkeit im Amt und will seine Immunität aufheben lassen. „Der Premier hat wiederholt das Gesetz gebrochen, indem er Angebote von entscheidenden Figuren der ungarischen Wirtschaft angenommen hat, die von der Regierung schwer abhängig sind“, klagt die Partei auf ihrer Homepage.

Falsche Freunde

Die Liebe zum Fußball hat Orbán schon mehrmals zu umstrittenen Aktionen getrieben. In seiner Heimatgemeinde Felcsút hat der Premier mit öffentlichen Geldern ein Stadion mit 3500 Plätzen bauen lassen – das Dorf hat nur 1800 Einwohner. Der Bürgermeister von Felcsút, Lorinc Mészáros, ist ein alter Schulfreund Orbáns.

 

 

Dass Orbán Garancsi und andere ungarische Oligarchen zu seiner Entourage zählt, ist in seiner Heimat kein Geheimnis. Zu seinen engsten Freunden gehören einige der reichsten Unternehmer des Landes, ein paar von ihnen kontrollieren wichtige Teile der Medienlandschaft. EU-Fördergelder sind für viele der Orbán-Freunde wichtige Einnahmequellen. Der Ehemann von Orbáns Tochter Rahel, István Tiborcz, dürfte von seinem Schwiegervater bereits profitiert haben. Denn hohe Summen an EU-Fördergeldern flossen an seine Firma, als sie sämtliche öffentlichen Aufträge zur Errichtung von Straßenbeleuchtung erhielt.