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Russland
12/10/2012

Putin belebt den "Held der Arbeit" wieder

Der symbolträchtige Titel wird in Russland wieder eingeführt – just zu einem Zeitpunkt, in dem die USA eine "neue UdSSR" befürchten.

Mit dem Ende der Sowjetunion wurde er abgeschafft, jetzt will Kreml-Chef Wladimir Putin ihn wiederbeleben: Der Titel "Held der Arbeit“ – eine Anerkennung für herausragende Verdienste – soll in Russland wieder eingeführt werden. "Wir wollen damit hervorragende Beiträge zur Entwicklung Russlands ehren", wird er von der Agentur Interfax zitiert.

In der Sowjetunion war die 1938 eingeführte Auszeichnung "Held der sozialistischen Arbeit" eine der höchsten staatlichen Ehrungen – und wurde gemeinsam mit den Leninorden an verdiente Arbeiter verliehen. Der erste Würdenträger war Josef Stalin. Die Wiedereinführung – ohne den Zusatz "sozialistisch", versteht sich – sei "gut für Russland", so Putin zur Agentur AFP. Man müsse einzig bedenken, dass man sie Sowjet-Zeiten nicht zur Gänze kopieren solle.

Sowjetunion in Neuauflage?

Damit verweist Putin auf eine aus den USA kommende Debatte über die politische Richtung, die Russland seit Putins erneutem Amtsantritt eingeschlagen hat. Noch-Außenministerin Hillary Clinton hatte vergangene Woche in einem Interview moniert, dass Russland versuche, eine Neuauflage der Sowjetunion zu schaffen – unter dem Deckmantel wirtschaftlicher Verflechtungen.

"Was für ein Nonsens“, so Putins lapidarer Kommentar dazu. Die kooperierenden Staaten, also jene der GUS, würden schließlich über eine gemeinsame Sprache, eine gemeinsame Mentalität, eine gemeinsame Infrastruktur verfügen. Eine interessante Aussage: Schließlich war das Russische in den ehemaligen UdSSR-Staaten zwar Staatssprache, aber von oben verordnet – und das gegen jegliche Widerstände.

Die Wiedereinführung des Titels hat also auf mehreren Ebenen Symbolkraft. Sie dient dem Kreml auch als innenpolitische Ablenkung: Zum einen mobilisiert man so die Anhänger-Basis Putins, die sich mittlerweile vornehmlich aus der Arbeiterschaft rekrutiert. Zum anderen rückt man so die neu entflammte Debatte über Putins angeblich angeschlagenen Gesundheitszustand – der 60-Jährige musste mehrere Termine wegen Rückenproblemen absagen – gekonnt in den Hintergrund: Schließlich hat man im Riesenreich Russland genügend Erfahrung mit zittrigen Staatsführern.

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