Manila: Angehörige am Sarg eines Opfers von Polizeischüssen.

© REUTERS/CZAR DANCEL

Philippinen
08/03/2016

Präsident rief zu Morden auf: Hunderte Tote

Jagd auf Dealer. Menschenrechtler sind alarmiert, aber Rodrigo Duterte lässt sich "nicht schrecken".

von Andreas Schwarz

Nur einen Tag nach seiner Vereidigung Anfang Juli hatte der philippinische Präsident Rodrigo Duterte zum Mord an Drogenschmugglern und -süchtigen aufgerufen: "Wenn ihr Süchtige kennt, geht hin und tötet sie ... Diese Hurensöhne zerstören unsere Kinder. Ich warne euch, schließt euch ihnen nicht an", sagte er damals bei einem Besuch in einem Armenviertel in Manila.

Seither werden die Philippinen von einer beispiellosen Mordserie erschüttert – Hunderte mutmaßliche Suchtgifthändler und -konsumenten wurden von Todesschwadronen oder der Polizei getötet.

Zum jüngsten aufsehenerregenden Fall kam es in der Nacht auf Mittwoch: Die philippinische Polizei erschoss sechs Anhänger des Bürgermeisters von Albuera, der im Verdacht steht, in Drogengeschäfte verwickelt zu sein. Staatschef Duterte hatte Bürgermeister Rolando Espinosa und seinem Sohn am Montag 24 Stunden Zeit gegeben, um sich der Polizei zu stellen. Andernfalls werde der Präsident Schießbefehl gegen die beiden Männer erteilen, sagte Dutertes Sprecher Ernesto Abella im Fernsehen. Espinosa stellte sich daraufhin am Dienstag, sein Sohn, der mit Drogen handeln soll, ist auf der Flucht. In der Nacht kam es dann zur Schießerei zwischen der Polizei und Espinosa-Gefolgsleuten.

Todesschwadronen

Der 71-jährige Populist Duterte war schon vor seiner Wahl zum Präsidenten der Philippinen im Kreuzfeuer von Menschenrechtsorganisationen gestanden: Er war in Davao im Süden des Landes mit kurzer Unterbrechung fast 30 Jahre Bürgermeister. Ihm wurde damals schon vorgeworfen, Todesschwadronen geduldet zu haben, die mehr als 1400 Kleinkriminelle umgebracht haben. Duterte dementierte niemals wirklich, und niemand wurde je zur Rechenschaft gezogen.

Bei der Präsidentschaftswahl am 9. Mai trat er mit dem Versprechen an, einen gnadenlosen Feldzug gegen die Kriminalität zu führen und Zehntausende Kriminelle zu töten. Duterte gewann mit deutlicher Mehrheit. Und seither sind mindestens 700 Menschen im Zuge der Jagd auf Drogendealer erschossen worden.

Duterte hat Drogendealern auch explizit das Recht auf einen fairen Prozess abgesprochen. Menschenrechtsfragen könnten ihn "nicht schrecken", sagte er Mitte Juli. Ab September sollen übrigens auf einer elektronischen Anzeigetafel am Polizei-Hauptgebäude in Manila Drogen-Verdächtige angezeigt werden, die festgenommen oder "neutralisiert" wurden.

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