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Politik Ausland
09/10/2019

Polizisten in Nordirland mit Molotow-Cocktails angegriffen

Suche nach Baumaterial für Bomben löste in Derry Straßenschlacht mit Dutzenden Verletzten aus.

Im nordirischen Grenzort Londonderry (Derry) ist es am Montagabend zu heftigen Ausschreitungen gekommen. Dutzende Polizisten seien von einer Menschenmenge mit etwa 40 Molotow-Cocktails und anderen Wurfgeschossen angegriffen worden, teilte die Polizei mit. Zu der Straßenschlacht kam es, als etwa 80 Polizisten ein Wohnviertel nach Baumaterial für Bomben durchsuchen wollten.

Mindestens zwei Jugendliche zogen sich Brandverletzungen zu, die Polizisten erlitten keinen Schaden. Mehrere Familien mussten vorübergehend in Sicherheit gebracht werden, wie britische Medien am Dienstag berichteten.

Bombe entdeckt

Die Polizei hatte zuvor eine Bombe in einem parkenden Auto entdeckt, die Ermittlungen zufolge eine ihrer Streifen treffen sollte. Hinter dem geplanten Anschlag steckt demnach die katholisch-republikanische Splittergruppe "Neue IRA". Sie ist den Ermittlern zufolge auch für einen kürzlich versuchten Anschlag mit einer Mörsergranate auf ein Polizeirevier verantwortlich. Gefunden wurde sie auf einer Mauer nahe der Polizeidienststelle. Sie konnte entschärft werden. Ähnliche Vorfälle hatte es in den vergangenen Monaten mehrfach gegeben.

Es wird befürchtet, dass der am 31. Oktober geplante Brexit den alten Konflikt zwischen katholischen Befürwortern einer Vereinigung Irlands und protestantischen Loyalisten wieder schürt. Die irische Grenzfrage gehört zu den umstrittensten Punkten beim EU-Austritt. Brüssel und Dublin fordern eine Garantie, dass keine Kontrollposten an der Grenze errichtet werden müssen, weil eine neue Teilung der Insel politische Unruhen auslösen könnte. Zurzeit ist die Grenze im grünen Hügelland fast unsichtbar; sie kann problemlos passiert werden.

Bis eine andere Lösung gefunden wird, sollen für Nordirland weiter einige EU-Regeln gelten und Großbritannien in der EU-Zollunion bleiben. Diese Backstop genannte Lösung trifft aber auf heftigen Widerstand der britischen Regierung unter Premierminister Boris Johnson. Brexit-Hardliner fürchten eine zu starke Bindung an die Staatengemeinschaft. Bei einem Besuch am Montag in Dublin versicherte Johnson zwar, dass eine harte Grenze in der Region vermieden werden soll - wie das umgesetzt werden könnte, verriet er allerdings nicht.