Fahnenschwenken auch vor dem Brandenburger Tor: In Berlin marschierte Montags die Bärgida, aber mit deutlich weniger Zulauf als in Dresden.

© REUTERS/FABRIZIO BENSCH

Deutschland
09/08/2015

Pegida: Die Wiederkehr der Schreihälse

Dresden: Die neu erstarkte Anti-Islam-Bewegung lädt Strache ein.

von Evelyn Peternel

Fast war sie vergessen, die dunkle Seite Deutschlands, bei all der Euphorie der letzten Tage. Doch es gibt sie, und ihre Anhänger werden mehr: In Dresden marschieren am Montag wieder Tausende "besorgter Bürger" durch die Stadt – Pegida ist wieder da.

Lange Zeit waren es nur mehr wenige gewesen, die sich montags an der Frauenkirche versammelten; zuletzt setzten die Organisatoren ihre "Spaziergänge" ganz aus. Diesmal kamen aber gut 5000. "Pegida ist gekommen, um zu bleiben – und geblieben, um zu siegen!", rief Lutz Bachmann, das bekannteste Gesicht der Bewegung.

Le Pen, Orban, Strache

Nach einer langen Phase des Desinteresses spielt dem 42-Jährigen der jüngste Flüchtlingsstrom in die Hände. Vergessen sind der Zwist im Vorstand und die Affäre um die Fotos, auf denen Bachmann mit Hitlerbart zu sehen war. Er sucht auch wieder den Schulterschluss mit jenen, die er Schwestern und Brüder im Geiste nennt: Geht es nach Bachmann, sollen Marine Le Pen, Viktor Orban und HC Strache beim ersten Geburtstag der Bewegung im Oktober auftreten.

Sie kämen in eine Region, in der die Kehrseite der Willkommenskultur besonders verfestigt ist. "Im Osten sind die Ängste größer als im Westen, ", sagt Anetta Kahane, die an der Amadeu Antonio Stiftung über rechte Gewalt forscht. Dass diese Fremdenangst ihr unangenehmes Gesicht in Sachsen gern zeigt, sieht sie als hausgemacht an. In der DDR hätten die Bürger kaum Erfahrung mit Fremden gemacht, "nach der Wende wurde das fehlende Nationalgefühl einfach in Abwehr gegen Migranten übersetzt". Auch heute liegt der Anteil an Nicht-Europäern im Osten nur bei 1,5 Prozent. Die Politik habe dies geflissentlich ignoriert und so rechten Kräften Spielräume gelassen: "Was wir erleben, ist das Ergebnis kontinuierlichen Ignorierens und Nichthandelns."

Auch jetzt sucht die Politik oft noch nach Antworten. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich brauchte lange, um Pegida fremdenfeindlich zu nennen – Anfang des Jahres meinte er noch im Duktus der Pegida-Chöre, der Islam gehöre nicht zu Sachsen. Seit den Ausschreitungen von Heidenau distanziert er sich deutlich.

Dass Pegida weniger Sprachrohr besorgter Bürger als Plattform für rechte Ideologien ist, daran ließ der Auftritt von Tatjana Festerling am Montag kaum Zweifel. "Wollt ihr den totalen Asylstaat?", schrie die Dresdener Pegida-Obfrau vom Podium – und erntete dafür Beifall. Zehn Prozent der Wähler haben ihr bei der Bürgermeisterwahl im Juni ihre Stimme gegeben.

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