Kein Geld mehr für FPÖ im EU-Parlament? Patrioten-Fraktion droht Millionen-Strafe
Die Vorwürfe reichen einige Jahre zurück – an politischer Sprengkraft haben sie aber kaum verloren. Zwischen 2019 und 2024 soll die rechte EU-Parlamentsfraktion Identität und Demokratie (ID) EU-Mittel in Höhe von 4,3 Millionen Euro missbräuchlich verwendet haben. Geflossen sein sollen die Gelder über Scheinverträge und fragwürdige Spendenkonstruktionen.
Rund 600.000 Euro soll laut Falter das FPÖ-nahe Magazin Zur Zeit erhalten haben, das von Andreas Mölzer herausgegeben wurde. Den größten Teil – mehr als drei Millionen Euro – soll der französische Rassemblement National von Marine Le Pen kassiert haben. Die frühere Parteichefin wurde in Frankreich wegen ähnlicher Praktiken bereits verurteilt, die Berufung läuft.
In Brüssel ist man von strafrechtlichen Konsequenzen allerdings noch entfernt. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung. Zwar ermittelt die Europäische Staatsanwaltschaft (EPPO) seit Längerem, eine Anklage liegt bislang aber nicht vor – wohl auch deshalb, weil es die ID in ihrer alten Form nicht mehr gibt. Nach der EU-Wahl 2024 löste sich die Fraktion auf. An ihre Stelle traten die Patrioten für Europa, gegründet von FPÖ-Chef Herbert Kickl, Ungarns Premier Viktor Orbán (Fidesz) und dem Tschechen Andrej Babiš (ANO).
Nun stellt sich die Frage: Müssen die Patriots für das geradestehen, was ihrer Vorgängergruppe vorgeworfen wird? Daniel Freund, EU-Abgeordneter der Grünen und Mitglied des genau dafür verantwortlichen Haushalts-Kontrollausschuss meint zum KURIER: "Viele der Praktiken, wegen denen gegen die ID ermittelt wird, sind bei den Patrioten genau so weiter gelaufen."
"Noch nie in der Geschichte des EU-Parlaments"
Ein Prüfbericht über die Vorfälle der eigentlich jetzt vorliegen müsste, weil er Grundlage für die endgültige Absegnung des Budgets des EU-Parlaments ist, fehlt. Die Patrioten, so der Grüne Freund hätten die erforderlichen Dokumente nicht vorgelegt: "Das ist in der Geschichte des EU-Parlaments noch nie vorgekommen."
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