Politik | Ausland
26.07.2018

Pakistan: Cricket, Klatsch und Koran

Imran Khan erklärt Wahlsieg – ein ebenso merkwürdiger wie schillernder Mann

Sein Leben zusammenfassend kurz zu beschreiben, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Imran Khans Existenz ist eine voller Widersprüche: einst Profisportler, Playboy, Superstar, Globetrotter; heute in dritter Ehe lebender Politiker mit einem Hang zu prophetischem Gehabe und einer immer wieder aufblitzenden Bewunderung für islamistische Gruppierungen inner- wie außerhalb des parlamentarischen Rahmens.

Khan wird wohl der nächste Premier Pakistans sein. Zwar verzögerte sich die Auszählung der Stimmen der Wahl vom Mittwoch wegen technischer Probleme. Erste Ergebnisse aber ließen einen Sieg für Khan erahnen – wie erwartet. Khan erklärte sich am Donnerstag zum Sieger. Und da ist es wieder, dieses eine große Problem, das Gegner Khans seit Beginn seiner politischen Laufbahn 1996 mit ihm haben. Das mit der Glaubwürdigkeit.

Abgehalfterter Promi

Khan ist ein Politiker, dem man nach klassischen Maßstäben kaum etwas vorwerfen kann. Ihm haften keine Korruptionsskandale an, er ist karitativ aktiv. Lediglich seine Frauengeschichten, seine erste Ehe mit der in London lebenden Julia Goldsmith (mit der Celebrity-Dame deutsch-jüdischer Abstammung hat er zwei Söhne) und seine seltsam anmutende anfängliche Bewunderung für Militärmachthaber Pervez Musharraf (2001 bis 2008) machten über Jahre Schlagzeilen in Pakistan. Positioniert hatte sich Khan als wertkonservativer Reformer. Konservative aber gewann er nicht – nicht glaubwürdig sei er, so ihr Urteil.

Fast ein Jahrzehnt blieb er, der ehemalige Sport-Superstar und Cricket-Nationalheld, mit seiner Partei für Gerechtigkeit PTI schlicht und einfach zu unwichtig in der politischen Landschaft des Landes, um ihn ernsthaft zu analysieren. Erst 2013 wurde seine Partei nach einer massiven PR-Kampagne zur wahrnehmbaren Kraft.

Davor glich Khan eher einer schrulligen Randerscheinung, saß über Jahre als einziger Mandatar der PTI im Parlament und vertrat Positionen, die in krassem Gegensatz zu seiner Biografie stehen. Khan ein ernstzunehmender Politiker, ein Reformer? Fehlanzeige. Eher ein Kasperl. Und das sahen selbst solche Pakistanis so, die seine Ideen prinzipiell interessant fanden.

Die Liberalen im Land wiederum hatten mit Khan seit jeher ein Problem. Vor allem, weil er zum Teil sehr offensiv radikale Zirkel umgarnte. Im Parlament votierte Khan etwa oft und gerne mit den Radikalen – zum Beispiel gegen ein militärisches Vorgehen gegen El Kaida in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan oder gegen eine Reform von Koranschulen, die Kaderschmieden Radikaler.

In vielerlei Punkten, von Gesellschaftspolitik bis hin zu militärischen Fragen oder Geopolitik , vertrat er Positionen, die mit jenen radikaler Gruppen oder auch des Militärs deckungsgleich waren – scharfer Antiamerikanismus inklusive. Als ihn die pakistanischen Taliban als Vermittler vorschlugen – was Khan allerdings ablehnte –, war das sein politisches Todesurteil bei den Liberalen.

Bald haftete Khan ein Vorwurf an, der bei der jetzigen Wahl auch wieder laut wurde: ein Kandidat von Gnaden der Armee und des Geheimdienstes ISI zu sein. Tatsächlich hatten alle mit Khan konkurrierenden Parteien bei dieser Wahl Probleme. Nicht aber die PTI. Die regierende konservative PML-N sowie die linke PPP sprechen von Wahlfälschungen.