epa03807366 Pakistani police stands guard at a check point as authorities imposed a curfew after the district jail was attacked by Islamic militants, in Dera Ismail Khan, Pakistan, 30 July 2013. At least 13 people were killed and 248 inmates escaped during a Taliban assault on the prison in D. I. Khan. Tehrik-i-Taliban Pakistan spokesman Shahidullah Shahid claimed responsibility for the assault, saying it had involved more than 100 fighters including eight suicide bombers, two of whom detonated their explosives vest at the start of the attack. EPA/SAOOD REHMAN

© APA/SAOOD REHMAN

Pakistan
08/03/2013

Ahmed Rashid: Schwächung der El Kaida ist „Mythos“

US-Außenminister Kerry verspricht ein Ende des Drohnen-Krieges – und stößt auf Unglauben.

von Stefan Schocher

Beim ersten Besuch eines US-Spitzenpolitikers in Pakistan seit zwei Jahren, wartete US-Außenminister John Kerry vor allem mit einer Nachricht auf: In einem Interview versprach er ein Ende der Drohnen-Angriffe in Pakistan – ein heikles Thema zwischen beiden Staaten. Der pakistanische Journalist und Autor Ahmed Rashid ist ein profunder Analytiker der US-pakistanischen Beziehungen und Pakistans Politik.

KURIER: Pakistan hat einen neuen Premier, einen neuen Präsidenten: Ist das der Beginn einer Stabilisierung des Landes?Ahmed Rashid:Es ist natürlich eine positive Entwicklung. Aber zugleich gab es zuletzt eine beispiellose Eskalation der Gewalt. Und es gibt keine Strategie seitens der Regierung und der Armee damit umzugehen.

Wie kommt es, dass die Armee angesichts innerer Probleme Indien als Hauptfeind ansieht?

So hat sich die Armee entwickelt. Wir hatten in jüngerer Vergangenheit drei Kriege mit Indien. Durch Indien wird die Notwendigkeit unserer Atomwaffen erklärt, und der Umstand, dass wir 30 Prozent unseres Budgets für die Armee ausgeben. Was jetzt passiert, ist, dass es den Leuten dämmert, dass das eigentliche Thema Terrorismus und Nationale Sicherheit ist.

Wie bewerten sie den Besuch Kerrys und seine Ankündigung, den Drohnen-Krieg zu beenden?

Wir kannten diese Ansage, dass der US-Drohnen-Krieg Mitte kommenden Jahres beendet werden soll. Oder, dass die USA nur mehr in Absprache mit pakistanischen Stellen zuschlagen wollen. Wie auch immer: Das Problem ist, dass die El Kaida entgegen amerikanischer Ansicht, sie sei geschwächt, ganz und gar nicht geschwächt ist. Es ist ein Mythos. Was wir viel eher sehen ist, dass die El Kaida gestärkt ist. Was wir nicht übersehen dürfen, ist, dass es gerade bei den pakistanischen Taliban Elemente gibt, die eng mit ihr verbunden sind.

Sie halten das Ende des Drohnen-Krieges für unrealistisch?

Nein, was ich sage ist, es wird für die Amerikaner sehr schwierig, ihn zu beenden. Ich erwarte eher noch mehr Anschläge von Gruppen, die mit El Kaida verbunden sind.

In welchem Zustand sind die US-pakistanischen Beziehungen?

Die Beziehungen waren sehr angespannt. Ich denke, die Amerikaner sind derzeit sehr bemüht, sie neu zu starten. Wir werden demnächst auch einen neuen Armeechef bekommen. Also die USA müssen sich auf eine völlig neue Führung einstellen.

In welchem Zustand ist Pakistan? Bürgerkrieg? Krise?

Pakistan steckt in drei Bürgerkriegen. Einer gegen die Taliban, dann ist da ein separatistischer Aufstand in Belutschistan. Und dann ist das Chaos und der Wahnsinn in Karachi. Hinzu kommt ein eskalierender Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten. Es gibt genug Probleme. Und sie werden immer größer, solange es keinen nationalen Sicherheitsplan gibt.

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