Politik | Ausland 12.04.2018

OPCW-Bericht zu Fall Skripal: Das Gift wurde identifiziert

© Bild: AP/Frank Augstein

Die Chemiwaffenorganisation hat die britischen Befunde bestätigt. Großbritannien beantragte eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats.

Woher stammte das Gift, mit dem der Ex-Agent Sergei Skripal und seine Tochter in England vergiftet wurden? Die  Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) hat am Donnerstag ihre Erkenntnisse vorgelegt: Zumindest ursprünglich kommt der Kampfstoff aus Russland bzw. seinem sowjetischen Vorgängerstaat. 

Großbritannien hat nun eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats zu dem Thema beantragt. Die Sitzung solle voraussichtlich in der kommenden Woche stattfinden, verlautete am Donnerstag von der britischen Vertretung bei den Vereinten Nationen.

Das verwendete Gift wird im veröffentlichten Kurzbericht nicht namentlich benannt. Nach der Untersuchung von Blutproben der Skripals seien aber die "Untersuchungsergebnisse Großbritanniens in Bezug auf die Identität der toxischen Chemikalie bestätigt" worden, erklärte die OPCW am Donnerstag. Großbritannien ging davon aus, dass bei der Tat ein Nervengift der Nowitschok-Gruppe zum Einsatz kam.

"Nur Russland hat die Mittel"

Dieses wurde ab den 1970er-Jahren in der Sowjetunion entwickelt und seine Existenz erst in den 90er-Jahren durch Whistleblower enthüllt. Kein Staat hat gegenüber der OPCW jemals offiziell bestätigt, Nowitschok zu besitzen. Russland erneuerte diese offzielle Linie am Donnerstag. Es habe keine anderen Kampfstoffe besessen als jene, die der OPCW gemeldet worden seien, sagte der stellvertretende Industrieminister Georgi Kalamanow. Sie seien alle bis 2017 unter Aufsicht der OPCW vernichtet worden, bekräftigte er.

Da die OPCW nicht untersucht hat, wer genau das Gift eingesetzt hat, bleibt die Möglichkeit offen, dass ein anderer Akteur als Russland das Gift verwendet hat, wie es die Regierung Putin behauptet. Experten halten allerdings zumindest einen staatlichen Akteur für notwendig, um das komplexe Gift verwenden zu können.

"Es gibt keinen Zweifel, was benutzt wurde, und es gibt keine andere Erklärung, wer dafür verantwortlich ist - nur Russland hat die Mittel, ein Motiv und die Erfahrung", sagte der britische Außenminister Boris Johnson am Donnerstag.

Ein vollständiger Geheim-Bericht soll den Unterzeichnerstaaten der OPCW - dazu zählt wie fast alle Staaten der Welt auch Russland - zur Verfügung gestellt werden. Die britische Regierung berief für den 18. April ein Treffen der OPCW ein, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Sie macht Moskau für den Giftanschlag verantwortlich vom 4. März verantwortlich.

( kurier.at , Agenturen , tsc ) Erstellt am 12.04.2018