Politik | Ausland 15.03.2016

Österreicherin 12 Stunden festgehalten

© Bild: EPA/YANNIS KOLESIDIS

Fanny Müller-Uri begleitete die Flüchtlinge und ist wieder im Lager aktiv, um zu helfen.

Seit vier Wochen ist Aktivistin Fanny Müller-Uri im mazedonisch-griechischen Grenzgebiet, hilft mit dem Projekt "Welcome to Europe" in Idomeni und begleitete die Flüchtlinge am Montag nach Mazedonien.

KURIER: Wie erlebten Sie die Stunden in Haft?

Fanny Müller-Uri: Zuerst wurden alle Aktivisten, Freiwillige und Journalisten von den Flüchtlingen separiert. Wir wussten nicht, ob wir uns gerade in Griechenland oder Mazedonien befinden. Dort ist nur Wald und Wiese, man verliert den Überblick. Erst später wurde klar, dass man uns auf eine mazedonische Polizeistation gebracht hat.

Was passierte dann?

Es kam mir so vor, als ging es einfach nur darum, uns festzuhalten, um die Flüchtlinge ungestört wieder nach Griechenland zurückschieben zu können. Wir warteten zwölf Stunden und mussten rund 300 Euro Strafe bezahlen, bis man uns schließlich um 5 Uhr früh wieder in unser Quartier brachte.

Wie wurden Sie von den Polizisten behandelt?

Es war absurd, wir mussten zuerst unsere Ausweise abgeben. Es waren viele internationale Polizisten auf der Wache. Auch Österreicher und tschechische Beamte, die unsere Gesichter gefilmt haben. Man hat gemerkt, dass den Einsatzkräften selbst nicht klar ist, wer die Amtsgewalt hat. Die Mazedonier machten gegenüber den Tschechen dann ruppige Ansagen, weil sie mit einigen Dingen anscheinend nicht einverstanden waren.

Medien berichten von einem Flugblatt mit einem Lageplan, das die Flüchtlinge erst dazu animiert haben soll, die Reise nach Mazedonien anzutreten. Kennen Sie das Dokument?

Nein, ich persönlich habe auch nur davon gehört. Fakt ist aber, dass es egal ist, ob dieser Zettel existiert oder nicht. Die Flüchtlinge vernetzen sich und wissen auch so, wie man über die Grenze kommt. Es gibt immer wieder Internet, und durch Gespräche weiß jeder, wo Zäune sind und wo man es vielleicht über die Grenze schaffen könnte. Es regnet hier seit über einer Woche und hat fünf Grad. In den umliegenden Camps gibt es weder Klos noch eine Versorgung durch NGOs. Die Bedingungen sind so schlecht, dass die Menschen es einfach riskieren zu gehen.

( kurier.at ) Erstellt am 15.03.2016