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Politik Ausland
08/11/2019

Norwegen: "Weißer Mann" stürmt mit Gewehr Moschee

Zuvor soll sich der 20-jährige Norweger laut einem Medienbericht wohlwollend über den Terroranschlag auf Moscheen in Christchurch geäußert haben.

Ein schwer bewaffneter Mann hat eine Moschee in Norwegen angegriffen und einen Gläubigen verletzt. Zum Zeitpunkt der Attacke befanden sich nur drei Menschen in der Al-Nour-Moschee in Baerum, einem Vorort der Hauptstadt Oslo, wie der Leiter des Gotteshauses, Irfan Mushtaq, sagte.

Den Angreifer beschrieb er in norwegischen Medien als "weißen Mann", der ein Gewehr und mehrere Pistolen bei sich gehabt habe. Der Mann habe einen Helm, eine kugelsichere Weste und eine Uniform getragen. Er habe eine Scheibe eingeschlagen, bevor er um sich geschossen habe, sagte Mushaq dem Sender TV2.

Zwei der anwesenden Gläubigen seien sofort in Deckung gesprungen, ein rund 70 Jahre alter Mann habe den Angreifer überwältigt. Im Gerangel seien Schüsse gefallen. Der Angreifer sei schließlich durch einen Schlag auf den Hinterkopf außer Gefecht gesetzt worden, so dass ihn die Polizei festnehmen konnte.

Für Polizei kein terroristischer Angriff

Die Umstände legen nahe, dass der Angreifer möglicherweise ein großes Blutvergießen anrichten wollte. Die Polizei behandle den Vorfall aber derzeit nicht als terroristischen Angriff, so ein Polizeisprecher, sie würden von einem Einzeltäter ausgehen.

Nach Angaben der Polizei handelt es sich bei dem Angreifer um einen Norweger im Alter von etwa 20 Jahren. Er habe in der Nähe der Moschee gewohnt. Zu den möglichen Motiven des Mannes machten die Ermittler zunächst keine Angaben. Der Verdächtigte sei der Polizei bekannt gewesen, habe jedoch keinen bekannten kriminellen Hintergrund.

Wohlwollend über Christchurch-Anschlag geäußert

Die Internet-Aktivitäten des Festgenommenen samt seiner jüngsten Nachrichten in sozialen Netzwerken und Online-Foren würden noch überprüft, sagte Skjold. In einer der Nachrichten, die laut dem Sender TV2 nur Stunden vor der Tat verfasst wurde, soll sich der Verdächtige wohlwollend über den Terroranschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch geäußert haben, bei dem ein Rechtsextremist im März 51 Menschen erschossen und weitere 50 verletzt hatte.

Eine der angegriffenen Moscheen in Neuseeland trägt den selben Namen wie die Al-Nour-Moschee in Bärum. Der mutmaßliche Täter von Christchurch veröffentlichte vor seiner Tat ein Manifest, wonach er unter anderem von Breivik inspiriert war.

Die Polizei in Oslo kündigte an, am Sonntag vor Moscheen erhöhte Präsenz mit bewaffneten Kräften zu zeigen. An diesem Tag beginnt für mehr als eine Milliarde Muslime weltweit das Opferfest Eid al-Adha - das wichtigste Fest überhaupt im Islam.

Leiche in Haus des Verdächtigten

Es könnte auch ein Tötungsdelikt auf das Konto des festgenommenen Tatverdächtigen gehen. Die Polizei fand kurz nach dem Amoklauf eine Leiche in der Wohnung des Verdächtigten, so Polizeisprecher Rune Skjold auf einer Pressekonferenz am späten Samstagabend.

In welcher Beziehung das Opfer und der mutmaßliche Täter standen, ließ Skjold offen. Die Leiche der jungen Frau sei bei der Durchsuchung mehrerer Gebäude nach dem Überfall auf die Moschee entdeckt worden, hieß es. Der Festgenommene sei bisher nicht vernommen worden, da er noch medizinisch behandelt werde und noch keinen Anwalt habe.

Vor acht Jahren schlimmster rechtsextremer Anschlag

In Norwegen hatte sich im Juli 2011 einer der schwersten rechtsextremen Anschläge überhaupt ereignet. Der Rechtsextreme Anders Behring Breivik tötete damals bei einem Bombenanschlag in Oslo acht Menschen. Weitere 69 Menschen erschoss er auf der Insel Utöya, die meisten Jugendliche.

Regierungschefin Erna Solberg verurteilte den Zwischenfall nahe Oslo. "Der Besuch von Moscheen, Kirchen und anderen Gotteshäusern sollte sicher sein", schrieb sie in einer am Abend veröffentlichten Erklärung. Auch Solberg wollte sich nicht zum Tatmotiv äußern.