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Mysteriös: „Äußerst ungewöhnliche“ Todesfälle von Rentieren auf Spitzbergen

Norwegen meldet den Vorfall, Tierärzte suchen jetzt eine Erklärung für die Todesfälle. Bisher gibt es aber „keine konkrete Hypothese“.
Svalbard Reindeer bulls with big antlers

Wer in unseren Breiten von Rentieren hört, mag zunächst an Weihnachten denken und die vor den Schlitten von Santa Claus eingespannten Tiere. Für das Absingen des Liedes „Rudolph, the Red-Nosed Reindeer“ ist definitiv die falsche Jahreszeit. Und überhaupt hat der aktuelle Fall auf Spitzbergen rein gar nichts mit einer romantischen Vorstellung von der Weihnachtszeit zu tun. 

Die Inselgruppe Spitzbergen (norwegisch: Svalbard, auf Deutsch „Kühle Küste“) liegt nördlich von Norwegen und östlich von Grönland. Auch die Hauptinsel heißt Spitzbergen und zählt zu den nördlichsten besiedelten Gebieten der Welt. Die Inselgruppe ist (noch) zu rund 60 Prozent mit Eis bedeckt.

Seit einem Vertrag von 1920 gehört die Inselgruppe zu Norwegen und ist eine demilitarisierte Zone. Spitzbergen misst rund 62.000 Quadratkilometer, hat also eine Ausdehnung von rund drei Viertel der Fläche Österreichs. Es gibt neun Hauptinseln und unzählige kleine Nebeninseln. Zum Nordpol sind es nur noch rund 1.000 bis 1.300 Kilometer. 

Auch auf Spitzbergen ist jetzt Sommer. Die Temperaturen lagen am Freitag - je nach Wetterstation - zwischen einem und sieben Grad Celsius. Bekannt ist die Inselgruppe als ein arktisches Forschungslabor. 

Die Behörden im Hauptort Longyearbyen haben nun „äußerst ungewöhnliche“ Todesfälle von Rentieren gemeldet. Es geht um mehr als ein Dutzend Fälle und niemand hat bis dato eine Erklärung für die Todesursache der Tiere.

13 tote Tiere

Bei einer jährlichen Zählung seien bisher 13 kürzlich verstorbene Rentiere - elf Weibchen und zwei Männchen - in zwei Tälern gefunden worden. „Es ist sehr ungewöhnlich, dass Weibchen im fortpflanzungsfähigen Alter und erwachsene Männchen im Sommer sterben. Deshalb wollen wir diese Entwicklung genau beobachten“, hieß es in der Erklärung.

Das Norwegische Institut für Naturforschung (Nina) teilte der Nachrichtenagentur AFP mit, es gebe „keine eindeutigen Hinweise und auch keine konkrete Hypothese“, um die ungewöhnlichen Todesfälle im Sommer zu erklären.

„Im Winter sterben vor allem die jüngsten und ältesten Tiere“, sagte der Forscher Vebjorn Veiberg. Die tot aufgefundenen Tiere seien jedoch in der „kräftigsten und fruchtbarsten Phase ihres Lebens“. Tierärzte suchen nun nach einer Erklärung für die Todesfälle. Doch auch eine Krankheit würde vermutlich nicht ausgerechnet die stärksten Tiere töten.

Laut verschiedenen Quellen geht es höchstwahrscheinlich um das Spitzbergen-Rentier, eine kleine endemische Unterart des Rentiers, die auf dem arktischen Archipel vorkommt. Es gilt als Beispiel für eine sogenannte „Inselverzwergung“ von Tieren. An größeren Landsäugetieren kommen auch noch Eisbären und der Polarfuchs vor. 

Sterblichkeit eigentlich sehr gering

Besonders rätselhaft sind die aktuellen Funde, weil Forscher erst wenige Wochen zuvor das genaue Gegenteil beobachtet hatten, berichtet RTL. Mitte Juli meldete das Norwegische Polarinstitut, dass in Adventdalen bei Longyearbyen sogar die niedrigste Rentier-Sterblichkeit seit Beginn der dortigen Zählungen im Jahr 1979 festgestellt worden ist. Bei der diesjährigen Erhebung fanden die Forscher lediglich zwei Kadaver, im Vorjahr waren es noch 302 gewesen.

Gleichzeitig stieg der gezählte Bestand von 1348 auf 1503 Tiere. Die Wissenschaftler führten die positive Entwicklung unter anderem auf wenig Schnee und Eis im vergangenen Winter sowie einen frühen Frühling zurück. Dadurch kamen die Rentiere offenbar leichter an Nahrung. Auch der Nachwuchs entwickelte sich auffällig gut: Acht von zehn weiblichen Tieren hatten ein Kalb, eine der höchsten bislang registrierten Quoten. Umso ungewöhnlicher wirken nun die 13 Todesfälle. 

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