Ende des "New START"-Vertrags: Das Wettrüsten hat längst begonnen

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Mit „New START“ ist der letzte nukleare Abrüstungsvertrag Geschichte. Was das für Atommächte, Hyperschallwaffen, Mini-Nukes und globale Sicherheit bedeutet.

2021 wurde er noch einmal verlängert – am Donnerstag lief mit "New START" der letzte Abrüstungsvertrag zwischen Washington und Moskau aus. 

Letzte Regeln zwischen zwei Atommächten

Damit verschwindet das letzte gemeinsame Regelwerk, das zwei Atommächte zur Transparenz zwang: Obergrenzen, Meldungen, Kontrollen. New START begrenzte pro Seite 1.550 einsatzbereite strategische Sprengköpfe und legte auch Limits für Raketen, U-Boot-Startrohre und schwere Bomber fest. Eigentlich gehörten dazu bis zu 18 Inspektionen pro Jahr.

Doch die Kontrollen wurden schon 2020 ausgesetzt, später kamen Krieg, Sanktionen und Russlands "Suspendierung" 2023 hinzu – seither ist das Herzstück des Vertrags praktisch stillgelegt. Was bedeutet das konkret? Nicht, dass morgen sofort zusätzliche Raketen aus Silos rollen. Die Instandhaltung dieser Waffen ist extrem kostspielig – und die derzeit vorhandenen Atomwaffen würden ohnehin ausreichen, die Erde mehr als einmal völlig zu zerstören.

Die Instandhaltung und Modernisierung ihres jetzigen Arsenals würde die USA von 2025 bis 2034 946 Milliarden Dollar kosten.

Eine Grafik zeigt die globalen Atomwaffenarsenale verschiedener Länder im Vergleich.

China als dritter Faktor

Aber ohne verlässliche Einblicke wächst wohl die Versuchung, "auf Vorrat" zu planen, zumal mit China schon länger eine dritte Macht im Begriff ist, ein hochmodernes und gefährliches Atomwaffenarsenal zu errichten. Ein Grund, warum US-Präsident Donald Trump dem Auslaufen des Vertrags gelassen entgegenblickte: Man werde eben einen "besseren Deal" machen, der auch China beinhalte.

Die Frage ist nur, wann.

Abrüstung funktionierte schon einmal

Grundsätzlich zeigt die Geschichte der Atombombe, dass sich die Weltmächte immer wieder auf Abrüstungs- oder Begrenzungsverträge einigen konnten, etwa der INF-Vertrag: 1987 einigen sich Ronald Reagan und Michail Gorbatschow auf diesen Pakt, der die Stationierung von Mittelstreckenraketen (500 bis 5.500 Kilometer Reichweite) verbietet.

Um diese Zeit werden 80 Prozent aller Nuklearsysteme vernichtet – allein die Sowjetunion verfügte 1986 über 45.000 Atomwaffen.

Der INF-Vertrag ist eine Erfolgsgeschichte, bis ihn die USA unter Trump 2019 aufkündigen.

Ein weiterer Grund, warum das Ende von New START, das ja auf strategische Sprengköpfe ausgerichtet war, nicht zwingend ein neues, riskantes Zeitalter der Atombombe einläutet: Taktische Atomwaffen (nicht vom Vertrag betroffen) auf Hyperschallraketen werden dies- und jenseits des Pazifiks hergestellt und gelten als nicht oder schwer abfangbar.

Die durchaus schwammige Unterteilung zwischen "strategisch" und "taktisch" wird in puncto Reichweite und Masse an Sprengkraft vorgenommen. Unter diesen Gesichtspunkten wäre auch die Atombombe von Hiroshima mit einer Sprengkraft von fünfzehn Kilotonnen als taktische Atomwaffe zu klassifizieren.

Eine schematische Darstellung der Funktionsweise einer Atombombe.

Gefahr der "Mini-Nukes"

Während eine Atommacht mit einer strategischen Atombombe einen Krieg präventiv verhindern oder beenden möchte, soll eine taktische Atombombe etwa zur Vernichtung feindlicher Verbände genutzt werden.

Der wahrscheinlichste Einsatz wäre jener von "Mini-Nukes". Das sind taktische Nuklearsprengköpfe mit Detonationswerten bis maximal fünf Kilotonnen. Die Bezeichnung klingt harmlos – doch das ist ein Irrtum.

Eine "Mini-Nuke" mit 0,5 Kilotonnen Sprengkraft würde einen 3,2 Kilometer hohen Atompilz verursachen. Im Radius von 670 Metern würden alle Lebewesen sterben.

Ein neues Atomzeitalter hat längst begonnen

Sprich: Die Welt befindet sich bereits in einem neuen, riskanten Zeitalter der Atombombe. Dazu kommen auch bei den "kleineren" Atommächten neue Planungen.

Großbritannien will beispielsweise zum ersten Mal in seiner Geschichte atomwaffenfähige Kampfflugzeuge kaufen. Sollte der Iran die Atombombe bekommen, würde der gesamte Nahe Osten nachziehen.

Und seit Jahren warnen Experten, dass die Implementierung der KI in Waffensysteme die größte Revolution seit Schießpulver und Atombombe auslösen könnte – als niederschwellige Waffe, die nicht nur Staaten, sondern auch Terrororganisationen nutzen könnten.

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