"Steinmeier ist der Beste, den wir haben"

SPD-Außenminister Steinmeier wird deutsches Staatsoberhaupt – ein Zeichen gegen Trump, eine heikle Partie für Merkel.

Gerhard Schröder kann an diesem Montag die Zufriedenheit nicht verbergen. "Er ist der Beste, den wir haben", sagt der Altkanzler am Rande einer Buchpräsentation über seinen einstigen Schützling. Frank-Walter Steinmeier, sein ehemaliger Mitarbeiter, der mit ihm groß und mit Angela Merkel noch größer wurde, ist da gerade einmal seit zwei Stunden der Kandidat für das höchste Amt im Staat: Der SPD-Außenminister wird Joachim Gauck als Bundespräsident beerben.

Der Anti-Trump

Dass sich CDU und SPD auf ihn einigten, ist nicht nur in seiner Qualifikation begründet. Ein wichtiger Grund ist symbolisch: Steinmeier, der eigentlich so leise Diplomat, wird durch die Bank als Anti-Trump-Figur gesehen – und in einer "Zeit der Umbrüche" brauche es einen wie ihn, sagt auch SPD-Chef Sigmar Gabriel. Damit meint er wohl auch, dass Steinmeier Trump offen als "Hassprediger" bezeichnete und ihm nicht zum Sieg gratulierte.

Dabei passt das so gar nicht in die Vita des obersten Diplomaten. "Graue Effizienz" und "Bundeskrisenminister" wird der 60-Jährige gern genannt, und das beschreibt besser, wie Schröders langjähriger Adlatus arbeitet. Mit dem damaligen Kanzler zog er 1998 nach Bonn und später nach Berlin, als Kanzleramtsminister werkte er geräuschlos und überließ das Poltern seinem Chef. Dass er damals auch an der ungeliebten Agenda 2010 mitwirkte, mag rückblickend mit ein Grund gewesen sein, warum er nie selbst Kanzler wurde: Als er als Außenminister 2009 gegen Merkel antrat, enttäuschte er vor allem sich selbst: Nur 23 Prozent votierten für ihn.

"Steinmeier ist der Beste, den wir haben"
Frank-Walter Steinmeier, parliamentary faction leader of the Social Democratic Party (SPD) and his wife Elke Buedenbender pose as they arrive to the 'Cinema for Peace' charity gala at the 63rd Berlinale International Film Festival in Berlin February 9, 2013. REUTERS/Tobias Schwarz (GERMANY - Tags: ENTERTAINMENT POLITICS)
Die Niederlage hat er nie verdaut. Gesprochen hat der zurückhaltende, gläubige Christ darüber aber kaum, ebenso wenig wie er die Nierenspende an seine Frau Elke medial ausschlachtete. Vielleicht war auch das ein Grund, warum er zum beliebtesten Politiker des Landes aufstieg – und die Gerüchte nicht verstummen wollten, dass er bei der Wahl 2017 vielleicht nochmals gegen Merkel antreten könnte. Für sie dürfte dies – neben aller Anti-Trump-Symbolik und dem Umstand, dass die CDU keinen Gegenkandidaten fand – letztlich auch entscheidend gewesen sein: Als überparteiliches Staatsoberhaupt dient Steinmeier der SPD im Wahlkampf vermutlich weniger, als ihr lieb ist; dafür scheint Merkel selbst den Groll ihrer Partei in Kauf zu nehmen. Finanzminister Schäuble soll die Entscheidung, dass die CDU keinen eigenen Kandidaten nominiert, eine "Niederlage" genannt haben.

SPD-Machtkampf

Ob sie das tatsächlich ist, muss sich erst weisen. Denn mit Steinmeiers Aufstieg wird der Posten des Außenministers vakant – und den könnte mit Martin Schulz (siehe Artikel unten) jemand übernehmen, der Sigmar Gabriel den Posten als Kanzlerkandidat und als Parteichef streitig machen könnte. Nicht von Ungefähr kommen die Gerüchte, dass Gabriel nach seinem Coup selbst ins prestigeträchtige Außenministerium wechseln will. Somit jubelt die SPD zwar nun über die Personalie Steinmeier, mit einer Rochade kurz vor der Wahl könnte sie aber wieder in Streitmodus verfallen – und das würde zu guter Letzt wieder nur Merkel nützen.

Kommentare