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Iran-Krieg: Sorge vor Ausweitung des Konflikts um Straße von Hormus

Ein Experte warnt vor totalem Krieg. Tausende Iraner sind ohne Wasser, es gibt Schäden in Kuwait an der Stromversorgung.
Explosion im Iran

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran um die Straße von Hormus droht außer Kontrolle zu geraten. In der nunmehr siebenten Angriffsnacht in Folge bombardierten die US-Streitkräfte nach eigenen Angaben iranische Überwachungsanlagen, unterirdische Waffenlager und andere militärische Infrastruktur. Iranische Medien sprachen dagegen erneut von Angriffen auf zivile Infrastruktur. Teheran holte wie schon in den vorherigen Nächten zu Vergeltungsschlägen aus.

Die Golf-Staaten Kuwait und Bahrain gerieten dabei erneut unter Beschuss. Aus Kuwait wurde ein Schaden an einer Anlage zur Stromerzeugung und Meerwasserentsalzung gemeldet. Diese sei Ziel eines feindlichen Angriffs geworden, erklärte das zuständige Ministerium am Samstag. In einem Teil der Einrichtung sei ein Feuer ausgebrochen, mehrere Generatoren seien daher vorsorglich abgeschaltet worden. Es sei bereits das zweite Werk dieser Art, das binnen zwei Tagen attackiert worden sei.

Das Ministerium rief die Bevölkerung dazu auf, in dieser „außergewöhnlichen Phase“ sparsam mit Strom umzugehen. Die Angriffe fallen mitten in den Sommer, wenn Klimaanlagen in Kuwait unverzichtbar sind. Zuvor hatte die kuwaitische Armee gemeldet, mehrere aus dem Iran kommende Raketen und Drohnen abgefangen zu haben.

Es gab zudem Berichte über Explosionen in Saudi-Arabien sowie in Jordanien. All diese Länder beherbergen US-Militärstützpunkte. Die iranischen Revolutionsgarden forderten die Bewohner im mehrheitlich muslimischen Jordanien zum Kampf gegen die USA auf. „Eure religiöse und menschliche Pflicht besteht darin, sie mit allen Mitteln außer Gefecht zu setzen und das heilige Land Jordanien von den Mördern unterdrückter Muslime zu säubern“, hieß es in einer am Samstag von iranischen Medien verbreiteten Erklärung der mächtigen Militärorganisation.

Die Revolutionsgarden, die Elitestreitmacht des Iran, reklamierten unterdessen Raketenangriffe auf einen von den USA genutzten Luftwaffenstützpunkt in Jordanien. Dabei sei unter anderem auf Schutzbunker für US-Kampfflugzeuge gezielt worden. Unverifizierte Videos in den Sozialen Medien, die auch Militärexperten verbreiteten, zeigten mutmaßliche Einschläge iranischer ballistischer Raketen in Jordanien.

US-Streitkräfte kommentieren Angriffswelle nicht

Während das US-Militär keine Angaben dazu machte, wo genau es attackierte, meldete der iranische Staatssender IRIB Detonationen in der Umgebung von Sirik nahe der Straße von Hormuz sowie der Küstenstadt Bandar Abbas. Laut der Nachrichtenagentur Fars gab es zudem in der Provinz Hormuzgan im Süden erneut Angriffe auf Brücken. Laut dem regierungstreuen Sender Press TV wurden dort mindestens drei Zivilisten getötet und acht weitere verletzt. Das US-Militär teilte lediglich mit, es seien u. a. auch Überwachungsanlagen und militärische Logistikinfrastruktur beschossen worden.

Wegen der jüngsten US-Angriffe ist Trinkwasserversorgung für mindestens 10.000 Menschen im Iran unterbrochen. Hintergrund sei die Bombardierung einer Meerwasserentsalzungsanlage in der Küstenregion Jask, berichtete der Pressedienst der Regierung unter Berufung auf die Wasserwerke der Provinz Hormuzgan. Betroffen sind demnach 20 Dörfer an der Küste. Angesichts von Temperaturen weit über 40 Grad sind Attacken auf die Wasserversorgung für die Bevölkerung besonders gravierend.

Der als Vahid bekannte Netzjournalist berichtete auf Telegram über massive Angriffe in der Hafenstadt Bandar Abbas, die seit Tagen bombardiert wird. „Gerade war eine schlimme Explosion zu hören, sodass die Fenster gewackelt haben. Die ganze Zeit ist das Geräusch von Kampfflugzeugen am Himmel zu hören“, zitierte der in den USA ansässige Journalist einen Bewohner.

Bevor das US-Militär die jüngste Angriffswelle am frühen Morgen mitteleuropäischer Zeit für beendet erklärte, hatte der iranische Sender Press TV unter Berufung auf die mächtigen Revolutionsgarden den Abschuss einer US-Drohne im Bereich der Stadt Bushehr gemeldet.

Zudem stünden zwei Öltanker im Süden der Straße von Hormuz in Brand. Das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando der US-Streitkräfte CENTCOM schrieb auf X, Behauptungen der Garden, zwei Öltanker seien dort explodiert, seien falsch.

Teheran warnt seine Feinde

Nach iranischen Angaben hatte das US-Militär bereits in der vorherigen Nacht Brücken und andere zivile Infrastruktur attackiert. Der iranische Außenamtssprecher Esmail Baghaei schrieb auf X, das iranische Volk sei jetzt noch entschlossener, seine Feinde die „verbrecherische Aggression bitter bereuen zu lassen“.

Mohsen Rezaei, Berater des obersten Führers Mojtaba Khamenei, warnte, sein Land werde in eine „Phase umfassender Offensiv- und Zerstörungsoperationen“ eintreten, sollten die US-Angriffe noch zwei oder drei Tage dauern. Der Iran werde sich dann nicht mehr länger auf Vergeltungsmaßnahmen beschränken, zitierte ihn der arabische Sender Al Jazeera aus einem Interview mit IRIB.

Das US-Militär greife inzwischen eine größere Bandbreite an Zielen in der Islamischen Republik an und verlege Kampfflugzeuge aus Europa in den Nahen Osten, berichtete das „Wall Street Journal“. Nach Informationen des US-Nachrichtenportals „Axios“ informierte die US-Regierung den Verbündeten Israel darüber, im Vorfeld einer möglichen Ausweitung der Militäreinsätze gegen den Iran Dutzende weiterer Tankflugzeuge in das Land zu entsenden. Das Portal berief sich dabei auf drei US- und israelische Regierungsbeamte.

Experte warnt vor totalem Krieg

Die USA wollten durch Angriffe auf Brücken sowie andere Ziele im Landesinneren den Druck im ganzen Land erhöhen und ein Ende der iranischen Angriffe auf die Schifffahrt in der Straße von Hormuz erzwingen, berichtete das „Wall Street Journal“. Der Iran reagiere darauf mit umfassenderen Gegenangriffen. „Diese Eskalation verschärft sich rapide und gerät außer Kontrolle“, sagte Saeid Golkar, Experte für iranische Sicherheitsfragen an der University of Tennessee, der Zeitung. Es bestehe die Gefahr, „dass wir in einen totalen Krieg zurückfallen, auch wenn keine der beiden Seiten dies will.“

Die Straße von Hormuz sollte eigentlich im Zuge eines vor einem Monat unterzeichnete Rahmenabkommens wieder für die internationale Schifffahrt geöffnet werden. Der Iran vertritt die Ansicht, dass ihm die Vereinbarung das Recht einräumt, den Verkehr durch die Meerenge zu kontrollieren. Teheran fordert, dass Schiffe eine nördliche Route entlang der iranischen Küste nutzen. Mit erneuten Angriffen auf Schiffe will Teheran unterbinden, dass die USA den Schiffsverkehr entlang der Küste des Oman durch die Meerenge geleiten.

Kaum noch Schiffsverkehr in Straße von Hormus

Nach den nun wieder aufgenommenen gegenseitigen Attacken zwischen den USA und dem Iran ist der Schiffsverkehr in der Meerenge wieder fast zum Erliegen gekommen. Daten des Anbieters Kpler vom Freitag zufolge passierten am Donnerstag lediglich acht Schiffe die Straße von Hormus. Dies stelle den niedrigsten Wert seit drei Wochen dar, hieß es in einem Post von Kpler auf X.

Zudem wächst die Sorge vor einer Ausweitung des Konflikts. Die mit dem Iran verbündete Houthi-Miliz im Jemen warnte das mit Washington verbündete Nachbarland Saudi-Arabien vor einer „Belagerung“. Man sei bereit, das Prinzip „Belagerung gegen Belagerung, Flughafen gegen Flughafen und Hafen gegen Hafen“ anzuwenden, zitierte die jemenitische Nachrichtenagentur SABA den Verteidigungsminister der Miliz, Mohammed al-Atafi. Er bezog sich offenbar auf einen Luftangriff zu Wochenbeginn auf den Flughafen der Hauptstadt Sanaa, für den die Miliz das Königreich Saudi-Arabien verantwortlich gemacht hatte.

Pakistan: Gefahr überregionaler Eskalation

Die Miliz gilt als einer der wichtigsten nicht staatlichen Verbündeten des Iran. Sollte es zu einer weiteren Eskalation im Iran-Krieg zwischen Washington und Teheran kommen, könnte die Houthi-Miliz wieder mit Drohungen und Angriffen am Eingang zum Roten Meer den Schiffsverkehr durch den Suezkanal zum Erliegen bringen. Das hätte nicht nur Folgen für den internationalen Handel.

Sollte es auch zu neuen Kämpfen zwischen Saudi-Arabien und den Houthi kommen und sich der Iran-Krieg damit auf das saudische Königreich ausweiten, könnte dies nach Angaben pakistanischer Diplomatenkreise zu Problemen bei den Vermittlungsbemühungen Pakistans im Krieg zwischen Washington und Teheran führen. Pakistan, das seit vergangenem Jahr mit Saudi-Arabien ein Militärbündnis unterhält, könnte in dem Fall „gezwungen sein in den Konflikt einzusteigen“, sagte ein pakistanischer Diplomat der Nachrichtenagentur dpa.

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