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Geheimdienst
03/29/2016

Nazi-Offizier Skorzeny tötete für den Mossad

Der Österreicher wechselte laut "Haaretz" nach dem Krieg den "Arbeitgeber".

Otto Skorzeny, Offizier bei der Waffen-SS und als Mitglied der Leibstandarte SS Adolf Hitler direkt dem Diktator unterstellt, führte nach dem Zweiten Weltkrieg offenbar eine Art Doppelleben. Wie die israelische Zeitung Haaretz nun enthüllte, war der leidenschaftliche Nationalsozialist aus Wien in den 60er-Jahren für den israelischen Geheimdienst tätig und führte eine blutige Aufgabe aus.

Skorzeny hatte sich während der "Operation Eiche" einen Namen als "Befreier Mussolinis" gemacht, als er den verhafteten Duce im Auftrag Hitlers nach München brachte. Der Österreicher stieg in der Nazi-Hierarchie immer weiter auf, zu Kriegsende wurde er noch zum Obersturmbannführer befördert. Nach dem Krieg wurde Skorzeny bei den Dachauer Kriegsverbrecher-Prozessen freigesprochen und sollte weitere Strafverfolgungen abwarten. Er floh jedoch nach Frankreich, Spanien, Argentinien und wieder Spanien, wo er den Schutz von Diktator Franco genoss und sich weiterhin mit ehemaligen Nazis abgab.

Bevor Skorzeny 1975 starb, soll er - so Haaretz - noch einige Geheimnisse angehäuft haben: Es geht um den Tod des deutschen Raketenwissenschafters Heinz Krug. Der Forscher, der in der Nazi-Zeit mit Wernher von Braun am Nazi-Raketenprogramm mitgearbeitet hatte, verschwand am 11. September 1962 nach einem Arbeitstag in seinem Münchner Büro für immer spurlos. Er stieg mit einem bisher Unbekannten in einen Mercedes und wurde nie mehr gesehen.

Einschüchterung

Nun kam heraus, was über die Jahre immer wieder spekuliert worden war: Laut Haaretz steckte der Mossad dahinter. Krug war nach dem Krieg von Ägypten zum Aufbau seines Raketenprogramms angeheuert worden. Israel befürchtete vom Kriegsgegner Ägypten Raketenangriffe. Und der Mossad, das "Institut für Geheimdienstinformation und Spezialmissionen", soll ausgerechnet den ehemaligen Nazi Skorzeny angeheuert haben - denn dieser war ein früherer Kamerad.

Krug hatte Angst, er wusste, dass Israels Agenten Jagd auf für Araber tätige Forscher machten. Auch er selbst hatte schon Drohanrufe erhalten, an seine Kollegen waren Briefbomben geschickt worden. Krug vertraute aber Alt-Nazi Skorzeny. Und stieg mit ihm in den Wagen, wie Haaretz berichtet. Die Zeitung beruft sich dabei auf ehemalige Geheimdienstler, die unbedingt anonym bleiben wollten.

Der Grund für Skorzeny mitzumachen: Der Wiener wollte von der Wiesenthal-Liste der gesuchten Kriegsverbrecher gestrichen werden. So kam es, so der Bericht, dass Krug und Skorzeny zusammen wegfuhren, in einen Wald, wo Skorzeny den Wissenschafter erschoss. Drei dem Wagen gefolgte Agenten sollen danach die Leiche mit Säure überschüttet und verscharrt haben.

Skorzeny sei offenbar der einzige Nazi gewesen, den der Mossad später rekrutiert habe, sagte der Leiter des Jerusalemer Simon-Wiesenthal-Zentrums, Efraim Zuroff, am Dienstag. Einen Deal mit Skorzeny hält Zuroff aus israelischer Perspektive für sinnvoll: "Die Operation war absolut legitim, um Schaden abzuwenden."

Skorzeny lebte bis zu seinem Krebstod unbehelligt in Spanien weiter, wo er seine Erinnerungen veröffentlichte, zum dritten Mal die Ehe einging und weiterhin in rechten Kreisen federführend mitwirkte. Zur Verantwortung wurde er nie gezogen.

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