NATO-Einsatz über Lettland: Drohne von Kampfjet abgeschossen
Symbolbild
NATO-Kampfjets haben über Lettland eine Drohne abgeschossen, die in den Luftraum des baltischen EU- und NATO-Landes eingedrungen war. Dies teilten die Streitkräfte des an Russland und Belarus grenzenden Landes mit. Nach Armeeangaben soll es sich dabei um ein ausländisches Flugobjekt gehandelt haben, das infolge "russischer elektromagnetischer Kriegsführung" in den lettischen Luftraum eingedrungen war. Nähere Angaben zur Herkunft und Art des Flugkörpers gab es zunächst nicht.
Der Abschuss erfolgte um 10:05 Uhr Ortszeit über der Gemeinde Berzgale nahe Rezekne im Osten des Landes, teilte Brigadegeneral Kaspars Zdanovskis auf einer Pressekonferenz mit Verteidigungsminister Raivis Melnis mit. Melnis bestätigte zunächst nicht die vielfach veröffentlichte Information, wonach die Drohne von einem französischen Kampfjet abgeschossen wurde. Auch der genaue Absturzort sei noch unklar. Berichte über Verletzte oder Schäden gab es demnach zunächst nicht. Die Suche nach Trümmerteilen laufe.
In Lettland hatten die Behörden zuvor die Bewohner mehrerer Regionen im Osten des Landes über eine mögliche Bedrohung des Luftraums informiert. In zwei davon wurde die Bevölkerung aufgefordert, Schutz zu suchen. Der Alarm wurde nach dem Abschuss der Drohne aufgehoben - ebenso wie eine kurze Zeit später erfolgte Benachrichtigung über eine weitere mögliche Bedrohung.
Regierungschef dankt Armee und NATO
Lettlands Regierungschef Andris Kulbergs dankte der lettischen Armee und den NATO-Verbündeten für ihren Einsatz. Dank "schneller Entscheidungen und professionellem Handelns" habe eine nach Lettland eingeflogene Drohne erstmals erfolgreich abgeschossen werden können, schrieb er auf X. Zuvor hatten NATO-Kampfjets am 19. Mai über dem benachbarten Estland eine Drohne von Himmel geholt.
Estland, Lettland und Litauen besitzen keine eigenen Kampfjets. Die NATO sichert deshalb bereits seit 2004 den baltischen Luftraum. Dazu verlegen die Verbündeten im regelmäßigen Wechsel Kampfflugzeuge samt Personal in die Ostseestaaten im Nordosten Europas. Stationiert sind die Einheiten auf Militärflughäfen in Ämari (Estland) und Siauliai (Litauen).
Moldau meldet Fund von Drohnentrümmern
Auch in der Republik Moldau wurden nach Angaben des Verteidigungsministeriums am Montag Trümmer einer Drohne auf einem Feld unweit der ukrainischen Grenze gefunden. Überwachungssysteme hätten das Eindringen des Fluggeräts in der Nacht registriert. Moldaus Präsidentin Maia Sandu fordert angesichts wiederholter Luftraumverletzungen die Anschaffung von Abfangdrohnen.
Moldau verurteile den Vorfall "auf das Schärfste", erklärte die Regierung in ihrem Telegram-Kanal. "Unabhängig von der Herkunft der Drohne liegt die Verantwortung für jede Drohne, die auf dem Territorium der Republik Moldau landet, bei Russland", fügte das Außenministerium in einem eigenen Post hinzu. Der Regierung in Chisinau zufolge handelte es sich wahrscheinlich um eine Drohne ukrainischer Herkunft.
Wiederholte Drohnenvorfälle
Verirrte Militärdrohnen schüren in den baltischen Staaten und Finnland zunehmend die Sorge vor einem Übergreifen des Ukraine-Krieges auf die nördlichen NATO-Grenzen. Im Zuge des Ukraine-Krieges hat es bereits mehrere Vorfälle mit Drohnen in Lettland gegeben.
Bei ukrainischen Angriffen waren mehrfach fehlgeleitete unbemannte Flugkörper in den Luftraum des Baltenstaats eingedrungen und abgestürzt, mit denen Kiew Ziele im Nordwesten Russlands angegriffen hatte. Größere Schäden oder Verletzte gab es dabei nicht. Die Vorfälle lösten nichtsdestotrotz eine politische Krise in Lettland aus und führten zu einem Regierungswechsel.
In den vergangenen zwei Wochen waren auch im benachbarten Rumänien, das ebenfalls an die Ukraine angrenzt, bei zwei Vorfällen Drohnen explodiert.
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