Politik | Ausland
27.08.2018

Nach Schwächeanfall: Kneissl gibt sich sportlich und belastbar

Alpbach-Auftritt: Die Außenministerin wurmt die Debatte um ihre Gesundheit. Sie zeigt sich fit und springt vom Podium.

Schonen? Ach wo! Karin Kneissl ist wieder am Damm – und das darf, ja soll in Alpbach jetzt ruhig jeder sehen.

Es ist der Tag nach ihrem Schwächeanfall bei einem „Kamingespräch“. Manche Zeitung und das Internet zeigen nach wie vor Fotos von dem roten Rettungshubschrauber, der für Kneissl am Sonntag in das Tiroler Bergdorf geflogen kam. Die Ministerin hat darin zwar nie Platz genommen, ja sie musste nicht einmal in den Krankenwagen steigen, der für sie alarmiert worden war – Ausruhen im Hotelzimmer, mehr war medizinisch offenkundig nie geboten.

Aber weil so ein Helikopter eine gewisse Beunruhigung und vor allem Getuschel verursacht, und weil Teilnehmer des Kamingesprächs berichten, die Ministerin habe – kurz aber doch – das Bewusstsein verloren, tut beherztes Auftreten Not.

Im Falle von Karin Kneissl heißt das: Wir fahren volles Programm, alle Termine werden wahrgenommen, nur ja keinen Anschein von Müdigkeit aufkommen lassen.

Auftritt mit Leine

So beginnt also der Tag mit einem Arbeitsfrühstück, bei dem mit Abgesandten Chinas über Handel, Wirtschaft und Außenpolitik gesprochen wird; kurz darauf tritt die Außenministerin als Keynote-Speakerin bei einer Integrationssession in der Alpbacher Hauptschule an.

Der Saal ist voll, Kneissl kommt leger, sprich: mit Hundeleine, denn ihre Boxer-Hunde Winston (nach Churchill) und Jackie (nach Kennedy) sind meistens mit von der Partie. „Es gibt mich noch“, sagt Kneissl am Rande dieses öffentlichen Termins.

Das klingt fast defätistisch. Aber dazu muss man wissen: Der Boulevard hatte den „kleinen Schwächeanfall“ (© Außenministerium) mancherorts zu einer fast lebensbedrohlichen Sache stilisiert. Sind ihr Stress und/oder Hatz im Netz am Ende nun zu viel geworden?, sorgte sich etwa die Krone – und unterfütterte die kolportierte Sorge mit Genesungswünschen von Lesern.

Genau das, so heißt es im Umfeld der Ministerin, behage Kneissl so gar nicht. Sie sei „pumperlg’sund“ und trotzdem hätten manche schon einmal, nämlich bei ihrem Spitalsaufenthalt im Frühjahr, von einer möglichen Amtsunfähigkeit fabuliert.

Ich bin fit wie ein Turnschuh!, ist also die Botschaft, die es an diesem Nachmittag – auch – zu kolportieren gibt. Und so präsentiert sich Kneissl bei der Podiumsdiskussion zu „globalen Machtverschiebungen“ euphorisch bis beschwingt: Strahlend und lachend zieht sie in den Saal ein. Auf Fragen nach ihrem Befinden antwortet sie knapp mit „Danke, gut“. Und ganz so, als wolle sie es selbst den größten Skeptikern beweisen, wählt die Ministerin für ihren Abgang die sportlichste aller Varianten: Sie springt vom Podium.