Politik | Ausland
24.03.2017

Nach London-Terror: Höchste Alarmbereitschaft in Rom

Italiens Hauptstadt gleicht einem Sperrgebiet: Angst vor Terror und Ausschreitungen zum EU-Jubiläumstreffen. In London sucht man nach den Hintergründen für das Attentat vom Mittwoch.

Absperrungen, Sicherheitszonen, Soldaten und Polizei auf den Straßen. Rom wird rund um den Gipfel der EU-Staats- und -Regierungschefs anlässlich des 60. Jahrestages der Unterzeichnung der Römischen Verträge zur Hochsicherheitszone – und die Nervosität der Behörden ist nach dem Anschlag von London noch einmal größer.

Normalerweise ist die "Ewige Stadt" als Sitz des Papstes Sicherheitsmaßnahmen ja gewohnt. Aber dass diesmal doch einiges anders ist, bekennen auch langjährige Kenner der Stadt. Der Anschlag in London wirft einen langen Schatten nach Rom. Vor allem auch, weil sich am Freitag und Samstag so einiges zusammenballt: Der Gipfel selbst sowie eine Audienz der Gipfelteilnehmer bei Papst Franziskus; hinzu kommen vier Protestmärsche und zwei Demonstrationen, zu denen EU-Befürworter und -Gegner aufgerufen haben. Und im Lager der Gegner werden sowohl ultralinke wie ultrarechte marschieren.

Konfliktpotenzial

Also einiges an absehbarem Eskalationspotenzial – das die römischen Kaufleute entgegen der allgemeinen Stimmung wenig gelassen sehen. Da ist einmal die Angst vor Ausschreitungen und Vandalenakten, die auch viele Unternehmer außerhalb der Sperrbereiche dazu treibt, ihre Geschäfte zu schließen. Alleine aus dem so genannten Schwarzen Block radikaler Autonomer werden 8000 Personen in Rom erwartet. Hinzu kommt, dass durch die Absperrungspolitik der italienischen Sicherheitskräfte Einnahmenausfälle in der Höhe von 1,5 Millionen Euro befürchtet werden.

Die römische Innenstadt wurde komplett abgeriegelt. In der so genannten blauen Zone werden sich während des Gipfels nur politische Vertreter bewegen dürfen. Rund um diese Zone wurde eine grüne Zone eingerichtet, an deren 18 Zugängen scharfe Personenkontrollen durchgeführt werden sollen. Stationiert sein werden hier Hundestaffeln sowie Sprengstoffexperten. Die Protestzüge sollen allesamt außerhalb der Sicherheitszonen stattfinden. Erwartet werden Zehntausende Teilnehmer vielerlei politischer Ausrichtungen aus ganz Europa. Bereits seit 22. März wurden an den italienischen Staatsgrenzen die Sicherheitsvorkehrungen hochgefahren.

Eine in Rom lebende Österreicherin bezeichnet die Vorbereitungen auf den Gipfel als "schon speziell". Viel Militär und Polizei sei auf den Straßen zu sehen. Das Leben der Stadt aber, das sei nicht zum Erliegen gekommen. Sie ist zuversichtlich: "Wir hatten noch keinen Terror hier in Rom." Und sie ist überzeugt, dass Italiens Behörden die Lage im Griff haben.