Politik | Ausland
09.07.2017

Mosul ist frei - der IS aber noch nicht geschlagen

Der irakische Regierungschef erklärte die Schlacht gegen den IS um Mosul für beendet und gewonnen.

Dieser Sonntag wird nicht nur den Irakern als Meilenstein in Erinnerung bleiben. Als Sieg über die mächtigste Terrorgruppe der Welt, die seit 2014 die zweitgrößte irakische Stadt kontrolliert hatte.

Nach neun Monaten heftiger Kämpfe hat die irakische Regierung die "Befreiung" der Stadt Mosul (mehr zur Stadt lesen Sie unten) vom "Islamischen Staat" (IS) verkündet.

Regierungschef: "Bedeutender Sieg"

Regierungschef Haider al-Abadi beglückwünschte die Armee in Mosul persönlich zu dem "bedeutenden Sieg", wie sein Büro am Sonntag erklärte. Ein Foto auf Abadis Twitter-Account zeigte ihn in schwarzer Uniform bei seiner Ankunft in der weitgehend zerstörten Stadt.

Trotz des verkündeten Sieges waren in Mosul auch am Sonntag Schüsse zu hören, während Abadis Besuchs flog die Armee weiter Luftangriffe. Mosul ist die zweitgrößte Stadt im Irak. Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) hatte die Metropole 2014 überrannt und von dort aus ein islamistisches "Kalifat" in Teilen des Irak und Syriens ausgerufen.

Rückeroberung startete im Oktober

Die irakischen Truppen hatten im Oktober mit der Rückeroberung von Mosul begonnen. Der Ostteil der Stadt wurde im Jänner zurückerobert, einen Monat später begann der Militäreinsatz im Westteil der Stadt.

Fast eine Million Vertriebene

Die Kämpfe brachten großes Leid über die Einwohner, zahlreiche Zivilisten wurden getötet, mehr als 900.000 Menschen mussten ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Laut den Vereinten Nationen kehrte bisher nur ein Bruchteil von ihnen zurück.

Große Teile der Stadt völlig zerstört

Mosul von IS befreit - Bilder aus der zerstörten Stadt

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Besonders im Westen der Millionenstadt wurden demnach mehrere Stadtteile völlig verwüstet. Von den 44 Wohnvierteln der Stadt seien sechs komplett und 22 teilweise zerstört. Die UNO rechnet mit mehr als 700 Millionen Dollar (614 Millionen Euro) Kosten für den Wiederaufbau.

Auch unter den Soldaten und Sicherheitskräften, die an der Rückeroberung beteiligt waren, gab es viele Tote - Schätzungen gehen von tausenden aus, die irakischen Behörden haben bisher keine Zahlen vorgelegt.

Nach Rückschlag: Kommt IS mit Guerilla-Taktik zurück?

Mit ihrer Niederlage in Mosul hat die Terrormiliz einen herben Rückschlag erlebt und ihre letzte große Hochburg im Irak verloren. Militärisch ist sie dort weitestgehend geschlagen. Zugleich wächst der Druck im Nachbarland Syrien, wo ein von Kurden angeführtes Bündnis bis in die nordsyrische IS-Bastion Raqqa vorgedrungen ist, die heimliche Hauptstadt des Kalifats.

Doch endgültig besiegt ist der IS mit dem Verlust Mosuls noch lange nicht, auch nicht im Irak. Noch immer halten die Extremisten kleinere irakische Städte und Orte. Zudem rechnen Beobachter damit, dass die Dschihadisten untertauchen, um zum Beispiel aus den riesigen Wüstengebieten im Westen des Landes heraus in Guerillataktik zuzuschlagen. So überlebten die IS-Vorgänger schon einmal, als sie vor rund zehn Jahren am Ende des irakischen Bürgerkriegs geschlagen schienen.

800 IS-Kämpfer eroberten die Millionenstadt

Die frühere Millionenstadt Mosul liegt rund 400 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Bagdad am Ufer des Tigris. Schon in seiner frühen Geschichte war das bedeutende Zentrum auf der Handelsroute zwischen Indien, Persien und dem Mittelmeer bekannt für Lederprodukte und feine Baumwollstoffe - der Stoff Musselin ist nach Mosul benannt.

Textilien und Erdöl

Traditionell für Textilverarbeitung bekannt, ist Mosul auch Standort von großen Erdölraffinerien. Die Stadt ist ein Zentrum sunnitischer Araber, war aber immer auch Heimat anderer Ethnien und Konfessionen wie Christen, Kurden, Turkmenen oder Jesiden. In der Hauptstadt der Provinz Ninawa sollen noch etwa 1,5 Millionen Menschen leben.

Mosul wird seit Jahren von Gewalt und Terror erschüttert. Nach dem Sturz des Langzeitmachthabers Saddam Hussein im Jahr 2003 flohen viele Anhänger des gestürzten Regimes nach Mosul. Etliche von ihnen engagierten sich später in der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gegen die schiitisch dominierte neue Regierung in Bagdad.

Ab 2014 von IS kontrolliert

Im Juni 2014 brachte der IS die Millionenstadt unter seine Kontrolle und errichtete ein Terrorregime. Rund 30.000 Soldaten sollen vor nur 800 anrückenden militanten Islamisten geflohen sein.

In der Großen Moschee von Mosul rief der Anführer der IS-Miliz, Abu Bakr al-Bagdadi, Muslime weltweit auf, in die Region zu kommen und ihn beim Jihad zu unterstützen. Es war sein erster öffentlicher Auftritt als "Kalif" des vom IS in Teilen Syriens und des Iraks ausgerufenen Kalifats.

Denkmäler zerstört

Wie in anderen eroberten Regionen vernichteten die Extremisten auch in Mosul Dutzende historische Denkmäler. Im städtischen Museum wurden Jahrtausende alte Statuen aus assyrischer Zeit zerstört. Angesichts der anrückenden irakischen Soldaten sprengten sie zuletzt auch die Große Moschee, damit dieses Symbol ihrer Herrschaft nicht in die Hand der mehrheitlich schiitischen Regierungstruppen fällt.