Landwirte protestieren ebenso wie Lkw-Fahrer und Arbeitslose

© APA/EPA/DANIELE MASCOLO

Italien

"Mistgabel-Bewegung" sorgt für Unruhe

Über Italien rollt eine neue Protestwelle: Lkw-Fahrer, Landwirte und Arbeitslose gehen auf die Straße.

12/13/2013, 06:00 PM

Eine neue Protestwelle rollt über Italien: Seit Wochenbeginn demonstrieren Lkw-Fahrer, Landwirte und Arbeitslose von Mailand bis Sizilien gegen Steuererhöhungen, Banken und Arbeitslosigkeit – und gegen Reformbestreben der Regierung von Premier Enrico Letta. Die Anhänger der „Bewegung der Mistgabeln“ (Movimento dei Forconi) blockierten auch die italienisch-französischen Grenzübergänge bei Ventimiglia und in das Piemont. Für nächste Woche ist eine Großkundgebung in Rom geplant.

Die Proteste der „Forconi“ äußerten sich bisher in unzähligen kleinen und größeren Gewaltaktionen im Alltag: Geschäfte, die gezwungen wurden, zu schließen, ein Angriff auf eine Buchhandlung in Ligurien sowie blockierte Zuglinien und Autobahn-Auffahrten. Der Protest ist laut Organisatoren unpolitisch. Die Bewegung hätte weder mit Berlusconis Forza Italia noch der rechtspopulistischen Lega Nord etwas gemeinsam. Auch zu Komiker Grillos Protestbewegung M5S gehe man auf Distanz. Zunehmend mischen sich aber rechtsextreme Gruppierungen unter die Protestierenden, auch Linksautonome versuchten die Demonstrationen zu stören.

Antisemitische Sprüche

Ein Sprecher der Forconi-Bewegung sorgte mit antisemitischen Sprüchen für Aufruhr: „Italien ist heute Sklave von Bankiers wie den Rothschilds“. Es sei schon auffällig, so der Sprecher in einem Interview mit der Tageszeitung La Repubblica, das fünf der sechs reichsten Leute auf der Welt Juden seien. Auch eine Online-Petition gibt Anlass zur Sorge. Darin wird aufgerufen, allen namentlich genannten Mitarbeitern des verhassten Inkassobüros „Equitalia“ zu schaden.

Die „Bewegung der Mistgabeln“ war Anfang 2012 in Sizilien aus Protest gegen die hohen Benzinpreise entstanden.

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