Jede Stimme zählt im Kampf Biden gegen Trump

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Politik Ausland
10/19/2020

Meinungsforscher wollen Biden ein Debakel wie Clinton ersparen

Joe Biden liegt in den Umfragen weit vor Trump - wie 2016 Hillary Clinton. Droht den Demokraten ein bitteres Déjà-vu?

von Ulrike Botzenhart

Noch zwei Wochen bleiben dem US-Präsidenten Donald Trump und dem Demokraten Joe Biden für die Jagd nach Stimmen. Alle Umfragen sprechen dafür, dass der Herausforderer bei den US-Wahlen am 3. November das Rennen machen wird. Sogar von einem möglichen Erdrutschsieg ist die Rede. Doch die Erfahrungen von Hillary Clinton 2016 machen die Demokraten vorsichtig. Clinton lag damals haushoch vor dem Republikaner Donald Trump - und doch ist Trump heute Präsident. Droht das heuer auch Biden, der mit großem Abstand führt? Nein, hoffen zumindest die Demoskopen.

Sie hätten daraus gelernt, sagt US-Meinungsforscher Christopher Borick vom Meinungsforschungsinstitut des Muhlenberg College in Pennsylvania. Als Beispiel nennt Borick gegenüber dem Spiegel, dass der Faktor Bildung in der Gewichtungsformel seines Instituts damals keine Rolle gespielt hat. Einfach, weil Bildung anders als Geschlecht, Alter und Hautfarbe bis dahin keine große Rolle gespielt hat. Doch 2016 war es anders und heute ist Bildung ein Faktor, den die Politikwissenschafter in ihren Berechnungen berücksichtigen.

Bildung als wichtiger Faktor

Der Unterschied kann gleich mehrere Prozentpunkte dadurch betragen, wie eine im August von Boricks Team gemachte Umfrage zeigt: Sechs Prozentpunkte lag Biden da vor Trump nach der alten Formel, aber bei Berücksichtigung der Bildung waren es gleich um 2 Prozentpunkte weniger.

Falsche Sicherheit 

Doch Borick nennt noch einen wichtigen Unterschied zu 2016: Damals wurden in einigen wahlentscheidenden Staaten wie Wisconsin - im Gegensatz zu heute - schlicht zu wenige qualitativ hochwertige Umfragen gemacht, um ein realistisches Gesamtbild von der Stimmung bei den Wählern durch zu erhalten. In Wisconsin lag Hillary Clintons Vorsprung vor Trump bei 5,3 Prozentpunkten. Die Demokratin fühlte sich daher dort so siegessicher, dass sie nur wenig Geld und Energie in den Staat investierte. Ein fataler Fehler. Wisconsin ging an Trump. Und: Dasselbe passierte Clinton mit Michigan (4,2 Punkte Vorsprung wenige Tage vor den Wahlen) und Pennsylvania (3,7 Punkte).

Trump gewann alle drei und zog ins Weiße Haus ein. Aufgrund dieser Erfahrung wischt jetzt Trump, dem nach Ansicht der Demoskopen eine krachende Niederlage droht, die aktuellen Umfragewerte als "Fake" vom Tisch. Gleich um sieben Prozentpunkte liegt der US-Präsident heuer in den wahlentscheidenden Staaten Wisconsin, Michigan und Pennsylvania hinter Joe Biden.

Sichere Wähler

Demoskopen verweisen auf einen weiteren großen Unterschied zu 2016: die Zahl der unentschlossenen Wähler. Damals war ihre Zahl viel größer als heute - und diese Unentschlossenen wählten schlussendlich überproportional Trump. Heute wüssten die meisten US-Bürger längst, wem sie ihre Stimmen geben wollen. Die Meinungsforscher machen das am konstant sehr hohen Vorsprung von Joe Biden in den Umfragen fest.

Unabhängig von der Qualität der Umfragen spielt das US-Wahlsystem eine große Rolle. Denn in den USA wird der Präsident indirekt durch ein Wahlkollegium gewählt, das "Electoral College". Das setzt sich aus insgesamt 538 Wahlleuten aus den Bundesstaaten zusammen. "Alles oder nichts", das ist die geltende Regel (außer in Main und Nebraska): Wer nur eine Stimme in einem Bundesstaat mehr als der andere Kandidat hat, der bekommt alle Wahlleute zugesprochen. Mindestens 270 sind notwendig, um Präsident zu werden.

Wie bitter dieses System ist, das bekam Hillary Clinton  2016 zu spüren: Die Demokratin hatte rund drei Millionen Wählerstimmen mehr als Donald Trump - und doch erhielt der Republikaner eine klare Mehrheit von 304 der 538 Wahlleute. 

 

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