Politik | Ausland
29.03.2018

Malala Yousafzai: Eine Ikone kehrt heim

Die Friedensnobelpreisträgerin ist auch Jahre nach dem Attentat auf sie in Pakistan umstritten

„Wer ist Malala?“ – Fünfeinhalb Jahre sind vergangen, seit diese Frage das Leben von Malala Yousafzai für immer veränderte.

Am 9. Oktober 2012 saß die damals 15-Jährige im Schulbus, als schwer bewaffnete Extremisten das Fahrzeug im Taliban-kontrollierten Swat-Tal stürmten. Als Yousafzai sich ihnen zu erkennen gab, schoss ihr einer der Männer in Kopf und Hals.

Mit Gewalt wollten die Islamisten eine junge Frau zum Schweigen bringen, deren Einsatz für die Rechte von Mädchen sogar im Ausland bekannt war. Doch ihre Kugeln verfehlten Yousafzais Gehirn, sie überlebte. Der Täter wurde zu 25 Jahren Haft verurteilt, sein mutmaßlicher Auftraggeber, Taliban-Chef Fazlullah, ist nach wie vor untergetaucht.

Weltweit im Einsatz

Ihr Ziel, Yousafzai zu stoppen, haben die Taliban mehr als verfehlt: Nach einer Übersiedelung nach Großbritannien und langwierigen Therapien ist Yousafzai kämpferischer denn je.

Als Menschenrechtsikone sprach sie vor den Vereinten Nationen, schrieb ein Buch, wurde vom früheren US-Präsidenten Obama im Weißen Haus und von Queen Elizabeth im Buckingham Palace empfangen.

Seit 2017 ist sie UN-Friedensbotschafterin und wirbt weltweit für ihre Kampagne „Bildung für alle“.

Es sei immer ihr Traum gewesen, nach Pakistan zurückzukehren, sagte die heute 20-jährige Oxford-Studentin (Philosophie, Politik und Wirtschaft) bei ihrem ersten Besuch in der Heimat. Von sich aus hätte sie das Land nie verlassen.

Donnerstagfrüh war Yousafzai überraschend mit ihren Eltern in Islamabad gelandet, wo sich Reporter sofort auf ihre Fersen hefteten.

Yousafzai ist ein Star in Pakistan, ein Star, der polarisiert und trotz weitgehender Zurückdrängung der Taliban (siehe Zusatzbericht) in Gefahr ist.

Die Stationen der viertägigen Reise sollen geheim bleiben, auf einen Besuch des Swat-Tals dürfte aus Sicherheitsgründen verzichtet werden. Verwandte und Freunde soll Yousafzai in Islamabad treffen.

„Unsere Tochter“

„Ich bin sehr glücklich, unsere Tochter hier willkommen zu heißen“, sagte Premierminister Shahid Khaqan Abbasi gestern. „Du bist die stärkste der pakistanischen Stimmen gegen Extremismus.“

Damit sprach der Regierungschef jenen Landsleuten aus dem Herzen, für die Yousafzai eine Heldin ist – besonders seit sie 2014 als bisher jüngste Preisträgerin mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.

Nicht wenige Pakistani sehen in Yousafzai jedoch kein Vorbild, sondern eine „Verräterin“ oder eine „Marionette des Westens“, die unislamisches Verhalten fördere.

Verschwörungstheorien blühen, wie jene, dass die junge Frau eine „westliche Agentin“ oder die CIA für das Attentat verantwortlich gewesen sei.

Ziel verbaler Attacken ist auch Yousafzais Vater, der das Schicksal seiner Tochter zu Geld machen wolle. Ziauddin Yousafzai leitete früher eine Mädchenschule im Swat-Tal, in der er seine Tochter stets förderte.

Mit elf Jahren begann sie auf seine Initiative hin einen Blog für die britische BBC zu schreiben, in dem sie unter dem Pseudonym Gul Makai über das Leben unter den Taliban berichtete. Auf Veranstaltungen und in Interviews trat sie für Mädchenrechte ein.

Traumziel Politik?

Yousafzai ficht die Kritik nicht an. In Islamabad kündigte sie an, weiter für die Kinder Pakistans einzutreten. Ob sie irgendwann für immer zurückkehren wolle, ließ sie offen.

Allerdings merkte sie schon mehrmals an, dass es ihr Traum sei, in die Politik zu gehen. Als großes Vorbild bezeichnet sie die frühere pakistanische Premierministerin Benazir Bhutto – die 2007 ermordet wurde.