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Politik Ausland
10/14/2020

Macron verordnet Frankreich nächtliche Ausgangssperre von 21 bis 6 Uhr

Mehr als 22.000 Neuinfektionen gab es zuletzt - am schlimmsten getroffener Hotspot ist Paris. Deshalb gibt es nun nächtliche Ausgangssperren.

von Andreas Schwarz, Evelyn Peternel

"Nein, wir haben die Kontrolle nicht verloren“, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zu Beginn seines TV-Interviews.

Das war eine wichtige Vorwärtsverteidigung, denn genau das wurde ihm zuletzt vorgeworfen: Schon während der ersten Welle sei sein Krisenmanagement dürftig gewesen; und jetzt, in der zweiten Welle mit bis zu 22.000 Fällen pro Tag, sei es wieder genauso. 

Allen Kritikern begegnete Macron darum mit einem neuen Maßnahmenbündel. Nicht nur, dass Frankreich wieder den Gesundheitsausnahmezustand einführt – der einen Lockdown rechtlich ermöglicht –, auch ein nächtliches Ausgehverbot wird eingeführt. „Von Samstag an wird es im Großraum Paris und in acht weiteren Ballungsräumen eine Ausgangssperre von 21 Uhr bis 6 Uhr früh geben“, so Macron. Gelten wird dies für vier Wochen, kontrolliert werde die Sperre von der Polizei; wer sich nicht daran hält, wird mit 135 Euro bestraft. „Man wird nicht zu Parties gehen können, aber man wird Freunde treffen können“, sagte Macron – tagsüber, so die Botschaft. Bars haben in der französischen Hauptstadt ja schon länger geschlossen, nur Restaurants dürfen noch offen halten.

Das Party-Virus

Damit zielt Macron auf jene Gruppe, die er zwar nicht direkt adressierte, aber denen er eindeutig die Verantwortung für die neuerliche massive Verbreitung des Virus zuschob: die Jungen.

„Das Virus verbreitet sich am ehesten bei Partys“, sagte Macron – und meinte jene jungen Menschen, die sich nicht an Abstands- und Hygieneregeln halten: „Ich weiß, es ist schwierig, im Jahr 2020 erst  20 Jahre alt zu sein.“ Schon zuvor hatte Premier Jean Castex von „einer bestimmte Kategorie von Franzosen“ gesprochen, die sich für „unbesiegbar“ hielten.

Dass diese Selbsteinschätzung nicht stimmt, zeigt ein Blick in die Krankenhäuser.  Vor allem in Paris  stoßen sie bald an ihre Grenzen. 17 Prozent der auf Covid getesteten Menschen in der französischen Hauptstadt sind positiv, der Inzidenzwert liegt bei 800 auf 100.000 Einwohnern der Metropole  in den vergangen sieben Tagen (zum Vergleich: Wien liegt bei 147). Bereits bei der ersten Corona-Welle im  Frühjahr waren Patienten aus Frankreich nach Deutschland und Österreich überstellt worden, weil die eigenen Kapazitäten nicht reichten. Die Zahl der Todesopfer mit/durch Corona ist in Frankreich inzwischen auf über 32.000 gestiegen.

Schulschließungen oder Reise- und Urlaubsbeschränkungen, wie Deutschland sie erlassen hat (siehe Artikel rechts), schließt Emmanuel Macron indessen aus. „Wir wollen die Menschen ja nicht wie Kinder behandeln“, sagte der Präsident. 

 

Macrons Zugang ist ein gänzlich anderer als in Deutschland

Unmut macht sich breit

Nichtsdestotrotz wird die Ausgangssperre zu Unmut führen – das haben schon die letzten Einschränkungen. In Paris legten etwa zu Wochenbeginn   Köche und Kellner Zugänge zur Außenringautobahn lahm, in Lyon, Toulouse und Marseille demonstrierten Discothekenbesitzer – Discos sind schon seit März geschlossen.  

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