Politik | Ausland
06.12.2017

Tod von Journalistin auf Malta: "Lügen" und "Niveau null"

Familie der Ermordeten Journalistin erhebt schwere Vorwürfe gegen die Ermittler.

"Ihr lügt, wenn ihr behauptet, alles zu tun, damit die Schuldigen vor Gericht kommen. Eure Entschlossenheit ist in Wahrheit auf Niveau null", schlägt die Familie der ermordeten Journalistin Daphne Caruana Galizia Alarm. Am Tag nach der Verhaftungswelle von zehn Verdächtigen auf der Mittelmeerinsel Malta kritisiert die Familie in einem Pressestatement scharf Staat und Polizei: "Die Art und Weise, wie die Ermittlungen durchgeführt wurden, sind keine Garantie, dass tatsächlich die Auftraggeber des Mordes festgenommen wurden." Die 53-Jährige Bloggerin wurde am 16. Oktober in der Nähe ihres Hauses durch eine Autobombe getötet.

Politische Deckung

Regierungschef Joseph Muscat hatte zuerst die Medien und erst danach die Familie über die Festnahmen informiert. "Dies bezeugt, dass die Hauptsorge des Premiers sein öffentliches Ansehen ist", sind die Angehörigen der Journalistin Daphne Caruana Galizia überzeugt.

Sie befürchten, andere in den Mord verwickelte Personen, würden weiterhin "politische Deckung" erhalten. "Weder die Entwicklung der Untersuchung noch die Vorgehensweise der Polizei auf Malta geben der Familie Sicherheit, dass die Wahrheit ans Licht kommen wird."

Der Premier inszenierte die Verhaftungswelle möglichst spektakulär. Unter den Festgenommenen sind auch die beiden mutmaßlichen Hauptverdächtigen, das Brüderpaar Degiorgio, denen illegaler Waffen- und Drogenbesitz vorgeworfen wurde. Stundenlang kreisten Helikopter über der Hafenanlage von Marsa. Spürhunde und Marineschiffe waren ebenfalls im Einsatz. Ob die verhafteten Personen tatsächlich den Anschlag mit einer Autobombe durchgeführt haben, wird von vielen Seiten angezweifelt.

"Meine Mutter wurde ermordet, weil sie alleine gelassen wurde", schreibt Sohn Matthew Caruana Galizia auf Facebook. Trotz Todesdrohungen verweigerte man ihr bis zuletzt Polizeischutz. Der Blog der Journalistin auf dem sie über die Korruptions- und Mafiaskandale berichtete, gehörte zu den meistgelesenen auf der Insel.

Im Zuge der Recherchen Galizias zur Panama-Papers-Affäre auf Malta geriet vor allem die Frau des Premiers, die Eigentümerin einer Firma in Panama sein soll, in den Fokus. Galizias Familie sieht die Politikmafia des Landes als Hauptschuldige.

Nach seinem Besuch auf Malta vergangene Woche zeigte sich auch ein deutscher EU-Parlamentarier besorgt über die Lage. Rechtsstaatlichkeit und demokratische Strukturen seien in einem "bedauernswerten Zustand", so der Politiker. Bei der Polizei hätte er einen "hohen Grad an Unwillen zu ermitteln und Inkompetenz" vorgefunden: Ob die Panama-Papers-Affäre der Grund für den Tod Daphne Caruana Galizias war, ist noch nicht belegt. Denn die mutige Journalistin hat sich mit ihren vielfältigen Recherchen zahlreiche Feinde gemacht.

Eine Spur könnte auch nach Italien führen. Die Journalistin hatte zuletzt ein Schmugglernetzwerk im Visier, das Erdöl aus Libyen nach Malta brachte. Es wurde dort auf russische Frachter umgeladen und dann nach Italien verschifft. Für den italienischen Staatsanwalt Carmelo Zuccaro, der in dieser Sache ermittelt, könnte der Mord von Galizia damit in Verbindung stehen.