Kanzler Kurz bei Kuwaits Emir Sabah al-Ahmed 

© Dragan Tatic

Politik | Ausland
03/24/2019

Kurz in Kuwait - ein Land im Umbruch

Golf-Emirat will sich bis 2035 modernisieren und von Öl und Gas unabhängig werden.

„Konkrete Pläne habe er keine in Kuwait“, sagt René Benko. Aber er hatte auch „keine konkreten Pläne“, als er im Frühjahr 2018 mit Bundeskanzler Sebastian Kurz in Abu Dhabi war. Zehn Monate später kaufte dann Benkos Signa-Gruppe das legendäre Chrysler Bildung in New York vom Abu Dhabi Investment Council.

Wissen kann man es also nie, wann man welches Netzwerk benötigt. Deswegen war der Investor auch am Sonntag an der Seite von Kurz bei dessen Besuch in Kuwait.

Zwar ist der Wüstenstaat mit nur 4,3 Millionen Einwohner seit der Invasion 1990 durch den Irak weltweit ein Begriff  –  trotzdem ist Kuwait eine große Unbekannte. Eines wurde bei der Visite von Kurz aber deutlich: Das Land befindet sich im Umbruch.

279 Projekte für einen modernen Staat

Der Masterplan 2035 soll die Monarchie mit seinem bald 90-jährigen Emir Sabah al-Ahmed  in die Zukunft führen. Weg von der Abhängigkeit der Gas- und Ölindustrie, hin zu einem modernen Staat mit innovativem Unternehmertum. 279 Projekte sollen bis 2035 realisiert werden. 

„Wir haben ein sehr niedriges Niveau bei den Exporten  und den wirtschaftlichen Kontakten mit Kuwait. Da ist noch Luft nach oben“, so Kurz nach dem Treffen. Hierfür wollen die Kuwaitis vor allem in die Infrastruktur, in erneuerbare Energien und Gesundheitsprojekte investieren.

Geförderte Selbständigkeit

Und dafür haben sie  durchaus ungewöhnliche Ideen: 94 Prozent der Kuwaitis arbeiten im öffentlichen Dienst. Unternehmertum existiert also kaum. Über einen Fond bekommen die Beamten den Weg in die  Privatwirtschaft finanziert. Drei Jahre lange werden die Kuwaitis quasi karenziert und erhalten eine respektable finanzielle Starthilfe. Floppt der Ausflug in die Privatwirtschaft, haben  die Beamten eine Rückkehrgarantie in den Staatsdienst. 

Aushängeschild des Masterpalns 2035 soll die Silk-City werden. 86 Milliarden Dollar  werden in das Projekt investiert. Herzstück des Vorhabens soll der Mubarak Al-Kabir Tower werden, ein 1001 Meter hohes Gebäude mit 234 Stockwerke und Wohnraum für 7.000 Menschen. Der Turm werde aus sieben vertikalen Dörfern bestehen, die Hotels, Residenzen, Büros und Unterhaltungseinrichtungen umfassen.

Neutraler Vermittler

Aber nicht nur wirtschaftlich ist der Wüstenstaat interessant, auch politisch ist der kleine Wüstenstaat ebenfalls ein wichtiger Player in der arabischen Welt. „Sie sind Vermittler in der Region. Die Kuwaitis haben Kontakte zu Saudi Arabien, aber auch zum Iran, der nur 80 Kilometer vom Kuwait entfernt liegt.“, so Kurz. Auch beim Katar-Boykott machen die Kuwaitis nicht mit. „Sie versuchen die neutrale Vermittlerrolle zu leben“, so Kurz.