Heimliche Öl-Lieferungen? Russland wirft Kuba den Rettungsring zu

Seit Jänner hat die sozialistische Insel unter Druck der USA keine Öl-Lieferungen mehr erhalten. Nun sollen zwei russische Tanker auf Kuba zusteuern. Ob die Hilfe ankommt, ist aber fraglich.
NETHERLANDS-HONG KONG-RUSSIA-CUBA-POLITICS-ENERGY-OIL

Der „Ocean Mariner“ war der letzte Tanker, der die Küste Kubas anlief. 86.000 Barrel Treibstoff brachte das Schiff aus dem benachbarten Mexiko auf die sozialistische Insel. Das war am 9. Jänner – seitdem sind keine größeren Lieferungen mehr auf Kuba eingetroffen. 

Das könnte sich nun ändern: Berichten zufolge sollen derzeit nämlich gleich zwei Tanker mit russischem Rohöl und Treibstoff auf die Karibikinsel zusteuern und bereits kommende Woche dort ankommen. Konkret soll es sich um die „Sea Horse“ handeln, die unter der Flagge Hongkongs fährt und 200.000 Barrel Diesel transportiert. Der Tanker sollte offenbar bereits im vergangenen Monat Kuba ansteuern, änderte dann aber seinen Kurs – und ist nun wieder in Richtung Karibik unterwegs, wie Bloomberg berichtet. 

Der zweite Tanker soll die unter russischer Flagge fahrende, sanktionierte „Anatoly Kolodkin“ sein. Laut Daten der Analysefirma Kpler transportiert sie mehr als 700.000 Barrel Rohöl, verladen im russischen Hafen von Primorsk.

Öl-Embargo lähmt Kuba

Für Havanna wären die Lieferungen ein sehnlichst erwarteter Rettungsring. Schon seit drei Monaten leidet die Insel unter einem Öl-Embargo der USA: Länder, die Kuba beliefern, müssen mit Strafzöllen rechnen. Gleichzeitig verhindert eine US-Seeblockade, dass Tanker die Insel überhaupt erreichen können. 

Mindestens zwei Schiffe der US-Küstenwache befinden sich laut dem Energie-Experten Jorge Piñón derzeit vor der nordöstlichen Küste Kubas - und sind somit in der Lage, Schiffe auf Befehl abzufangen, erzählt er gegenüber der Miami Herald. Ob die „Sea Horse“ und die „Anatoly Kolodkin“ –  sie sollen Täuschungsmanöver einsetzen, um ihre Position zu verschleiern – tatsächlich am kubanischen Zielhafen Matanzas ankommen, ist also fraglich.

Hilfe von außen

Klar ist hingegen, dass Kuba das Öl dringend gebrauchen könnte. Nur 40 Prozent des Bedarfs (ca. 100.000 Barrel pro Tag) kann die Insel durch eigene Produktion decken – der Rest kam traditionell aus dem befreundeten Ausland. Lange war das die Sowjetunion, später Venezuela und zuletzt Mexiko, das nach dem Sturz von Nicolás Maduro einsprang. Auf Druck von Donald Trump lässt Präsidentin Claudia Sheinbaum inzwischen aber nur mehr humanitäre Hilfe nach Havanna verschiffen.

Auch die wird dort dringend benötigt.  Denn die US-Ölblockade hat die  ohnehin angespannte Lage auf der Insel dramatisch verschärft. Gas zum Kochen ist knapp, Lebensmittel sind mittlerweile so teuer, dass sie nur noch mit Geld  aus dem Ausland bezahlt werden können. Operationen in Krankenhäusern werden abgesagt, Flüge von den Fluggesellschaften wegen Treibstoffmangels gestrichen. 

Besonders belastend für die Menschen sind die täglichen Stromausfälle, die teilweise die gesamte Insel in Dunkelheit stürzen und auch die Wasserversorgung einschränken – wie zuletzt erst am Montag. Erst am Dienstag konnte die Versorgung schrittweise wieder hergestellt werden. 

"Die Kubaner sind zornig"

„Die Stromausfälle sind wirklich unerträglich. Die Menschen wissen nicht, wann sie beginnen, wie lange sie dauern. Ob das Fleisch in den Kühltruhen vergammelt oder wann sie ihr Essen zubereiten können“, sagt der Kuba-Historiker Michael Zeuske, der im März von einem Besuch zurückgekommen ist, zum KURIER.

Cuba reconnects electrical grid but millions still without power

Die Not auf Kuba hat sich verschärft.

Auch sich ausbreitende Krankheiten wie Chikungunya-Fieber und die Abwanderung seien zentrale Probleme. „Die Kubaner sind zornig und wissen nicht mehr, was sie machen sollen", schildert er. Armut und Bettelei gebe es mittlerweile überall auf der Insel. "Die ganz Armen sind froh, wenn sie Wasser und Zucker gegen den Hunger haben. Aber zur Zeit gibt es nicht mal richtig Zucker."

Größere Proteste hat es auf der Insel bisher dennoch nicht gegeben. „Die Menschen haben Angst, die Repressionen in der Vergangenheit waren massiv“, so Zeuske. Aber: „Wenn das so weitergeht, werden die Leute wohl irgendwann wieder auf die Straße gehen.“

Kommentare