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Politik Ausland
09/10/2012

Kosovo: Unabhängig, aber mit NATO-Kontrolle

Die Balkanrepublik ist nun formell selbstständig. Doch Probleme bleiben, die NATO und die österreichische Soldaten auch.

von Dominik Schreiber

Mit einer feierlichen Zeremonie im Parlament in der Hauptstadt Pristina wurde am Montag der Kosovo in die Selbstständigkeit entlassen. Serbien protestierte dagegen. Als einziger westlicher Politiker nahm Österreichs Außenminister Michael Spindelegger an der Feier teil. Die Probleme des neuen Staates sind aber noch lange nicht beseitigt. Die NATO reduziert zwar ihre Truppen auf 5000 Soldaten, doch sie bleibt im Land. Auch das heimische Bundesheer zeigt weiter Präsenz.

Militäreinsatz

"Der Militäreinsatz wird noch mindestens fünf bis sieben Jahre dauern, vielleicht mehr", sagt Brigadier Johann Luif. Der Österreicher war bis vergangenen Samstag stellvertretender Kommandant der KFOR-Truppen und damit der zweithöchste Offizier.

Luif zeichnet gegenüber dem KURIER ein düsteres Bild. Die offizielle Arbeitslosenquote im Kosovo liege bei 60 Prozent, es gebe keine funktionierende Wirtschaft. Und der nördliche Teil mit seiner noch immer umstrittenen Grenze zu Serbien bleibe ein Pulverfass. In den vergangenen zwölf Monaten wurden dort bei Scharmützeln mit Demonstranten rund 100 Soldaten zum Teil schwer verletzt, eher durch viel Glück niemand getötet, berichtet Luif.

Mit der Räumung von serbischen Straßensperren versucht die KFOR seit Monaten im Norden ihren Einfluss zu erhöhen – und zieht sich damit den Zorn der serbischen Separatisten zu. "Vor zwei Wochen wurde unser Lager zuletzt beschossen", berichtet der italienische Kommandant Giuilo Esercito dem KURIER. Patrouilliert wird daher nur mit Pandur-Panzern und in schusssicheren Westen.

Auch im von Serbien beanspruchten Teil Mitrovicas stehen Österreicher derzeit an vorderster Front. Erst vor einigen Tagen starb nur 300 Meter vom äußersten Posten entfernt ein albanischer Familienvater bei einem Handgranatenanschlag.

Derzeit sind 363 österreichische Soldaten im Kosovo. Ihren bisherigen Stützpunkt, das Camp Casablanca bei Suva Reka, haben sie geräumt. Sie sind jetzt im deutschen Camp in Prizren und im Hauptquartier in Pristina untergebracht. Und in Pécs befindet sich eine abgesetzte Kompanie.

Flexible Kampfführung

 Die NATO reduziert Schritt um Schritt Stäbe und Niederlassungen. Die bisherigen geografischen Verantwortungsbereiche im Kosovo sind aufgelöst und werden durch eine flexible Kampfführung ersetzt. Wegen der anhaltenden Probleme im Norden wird das österreichische Kontingent Anfang Oktober durch ein Einsatzbataillon wieder auf 500 Soldaten aufgestockt.

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