Das weltweit gültige Schmiermittel

© APA/HELMUT FOHRINGER

Das weltweit gültige Schmiermittel
07/09/2013

Das weltweit gültige Schmiermittel

Laut Transparency International sinkt das Vertrauen in die Institutionen. Ein Viertel aller Befragten hat selbst schon „geschmiert“.

von Evelyn Peternel, Peter Draxler

Hätten Sie mal etwas, damit das Fenster nicht so quietscht?“ – Dass auf diese Frage eine Handwerkers, Bauleiters oder Behördenvertreters nicht Schmieröl als Hilfsmittel gefragt ist, haben zuletzt immer mehr Menschen feststellen müssen. Laut Transparency International hat der Schmiergeld-Fluss im vergangenen Jahr ein ziemlich hohes Level erreicht – eine von vier befragten Personen ist im Laufe der letzten zwölf Monate mit so einer ähnlichen „Bitte“ konfrontiert worden.

114.000 Menschen in 107 Staaten hat die Organisation, die sich mit den Auswirkungen der Schattenwirtschaft beschäftigt, im Rahmen des „Global Corruption Barometer“ befragt – und herausgefunden, dass sich die Korruption im gefühlten Steigflug befindet. Mehr als die Hälfte der Befragten meint, die Situation hätte sich in den vergangenen zwei Jahren deutlich verschlechtert.

Der Trend zum Nein-Sagen

Eine traurige Feststellung – die aber umgekehrt nicht bedeutet, dass die Menschen davor resignieren würden: Neun von zehn Befragten würden im Fall des Falles nein sagen und gegen Korruption-Angebote immun bleiben. Auch zwei Drittel jener, die sich tatsächlich mit einer solchen „Anfrage“ herumschlagen mussten, blieben standhaft.

„Die Leute glauben, sie haben die Macht, um die Korruption zu stoppen“, resümiert Huguette Labelle, Vorsitzende von Transparency International. „Die Zahl jener, die gegen Korruption, Bestechung und Machtmissbrauch ankämpfen wollen, ist signifikant.“

Tadel für die Politik

Die andere Seite der Medaille ist dadurch freilich, dass das Vertrauen in jene Organisationen, die eigentlich mit der Korruptionsbekämpfung beschäftigt sein sollten, kaum vorhanden ist. In 36 Ländern wird laut der Untersuchung die Polizei als korrupteste Institution gebrandmarkt; dort mussten im Schnitt 53 Prozent aller Befragten die Exekutive „schmieren“.

Gerade die G20-Staaten seien davon betroffen, meint Labelle. In 17 der weltweit wirtschaftlich einflussreichsten Staaten hätten die Bürger kein Vertrauen in die Politik – 59 Prozent meinen, ihre Regierungen würden nicht genügend gegen die Auswüchse der Schattenwirtschaft unternehmen. In 51 Ländern weltweit wird die politische Kaste selbst als die korrupteste Institution des Landes gesehen.

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