Eines der zahlreichen Umerziehungslager in der Provinz Xinjiang

© APA/AFP/GREG BAKER

Politik Ausland
02/18/2020

Kopftuch oder Bart: So schnell landen Muslime in China im Lager

Geheime Dokumente aus Pekings Machtapparat enthüllen die willkürlichen Gründe für die Inhaftierung von Uiguren.

Kopftuch oder Bart tragen, einen Pass beantragen, eine Pilgerfahrt oder Verwandte im Ausland können schon ausreichen, um als Angehöriger der Uiguren in China interniert zu werden. Das zeigen Listen, über die eine Gruppe von internationalen Medien am Dienstag berichtete, unter ihnen NDR, WDR, Deutsche Welle und Süddeutsche Zeitung.

Familien der muslimischen Minderheit in der nordwestchinesischen Region Xinjiang werden demnach als „vertrauenswürdig“ oder nicht, ihre Haltung „als gut“ oder „gewöhnlich“ oder die Atmosphäre in der Familie als religiös eingestuft, um einen Verdacht zu begründen. Auch wie viele Angehörige schon im Lager sitzen, werde berücksichtigt.

Die Listen mit persönlichen Angaben zu überwachten Personen stammen aus dem Kreis Karakax (Regierungsbezirk Hotan) in Xinjiang. Sie umfassen rund 140 Seiten und führen unter anderem detaillierte Informationen zu mehr als 300 Personen auf, die in Lagern interniert sind oder waren. Nicht alle Einträge ließen sich zeitlich festlegen, doch stamme der aktuellste aus 2019.

Nach Schätzungen von Menschenrechtlern sind Hunderttausende Uiguren in solche Umerziehungslager gesteckt worden, die Chinas Regierung als freiwillige Berufsbildungseinrichtungen beschreibt.

Die jetzt beschriebenen Listen führen zahlreiche Gründe auf, warum Menschen in die Lager gebracht worden sind. Am häufigsten wird laut NDR ein Verstoß gegen Chinas Gesetze zur Geburtenkontrolle genannt. Weitere Gründe lauten demnach auch: „Diese Person trägt einen langen Bart“, „Person, die bei der (islamischen Pilgerreise) Hadsch war“.

Auch hieß es denn Angaben zufolge: „Internetseite angeklickt, die Links zu unerwünschten ausländischen Internetseiten enthält“ oder „bleibt grundlos vom Flaggenhissen fern“. Während des islamischen Fastenmonats Ramadan das Restaurant geschlossen zu halten, werde auch erwähnt. „Verschleierung der Ehefrau“ und „Angehöriger einer Person, nach der im Ausland gefahndet wird“, seien weitere Gründe.

Vereinzelt werden Personen nach diesen Angaben auch verdächtigt, Mitglieder oder Sympathisanten von islamistischen Terrorgruppen zu sein. Die Liste zeigt laut NDR auch, dass Uiguren bestimmter Geburten-Jahrgänge kategorisch als besonders gefährlich eingestuft worden sind - vor allem junge Männer.

Seit Jahrzehnten unterdrückt

In China leben schätzungsweise zehn Millionen Uiguren, die meisten in Xinjiang. Sie sind ethnisch mit den Türken verwandt und fühlen sich von den herrschenden Han-Chinesen wirtschaftlich, politisch und kulturell unterdrückt.

Nach ihrer Machtübernahme 1949 hatten die Kommunisten das frühere Ostturkestan China einverleibt. Die Regierung in Peking wirft uigurischen Gruppen Separatismus und Terrorismus vor.

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