Politik | Ausland
21.01.2018

Kongo: Mehrere Tote bei Katholikenmärschen

Dutzende Verletzte und Festnahmen bei Protesten gegen Staatschef Joseph Kabila.

Bei der gewaltsamen Niederschlagung von Protesten gegen den kongolesischen Präsidenten Joseph Kabila sind nach UN-Angaben mindestens sechs Menschen getötet worden. Dutzende weitere Menschen wurden bei den verbotenen Katholikenmärschen am Sonntag im ganzen Land verletzt, wie die UN-Mission in der Demokratischen Republik Kongo (Monusco) mitteilte.

Tränengas und scharfe Munition

Die Polizei setzte Tränengas und scharfe Munition ein und schoss auch direkt auf Kirchen. Papst Franziskus rief die Behörden zum Verzicht auf Gewalt auf.

Katholische Gemeinden in dem zentralafrikanischen Land hatten zu friedlichen Protesten gegen den weiteren Verbleib Kabilas an der Macht aufgerufen. Laut Monusco gab es mindestens sechs Tote in Kinshasa sowie landesweit 49 Verletzte und rund 100 Festnahmen.

Die Polizei sprach von lediglich zwei Toten. Zudem seien neun Polizisten verletzt worden, zwei von ihnen schwer, sagte ein Polizeisprecher im Fernsehen.

Unter den Todesopfern war eine junge Frau, die von Kugeln getroffen wurde, als ein Kircheneingang aus einem vorbeifahrenden gepanzerten Fahrzeug beschossen wurde, wie der Arzt, Ex-Minister und Oppositionspolitiker Jean-Baptiste Sondji sagte.

Aus der Präsidentschaft hieß es, ein Mensch sei durch den Schuss eines Polizisten aus allernächster Nähe getötet worden. Der Beamte sei festgenommen worden und werde der Justiz vorgeführt.

Mit Palmzweigen und Kruzifixen

Im Zentrum von Kinshasa zogen nach dem Sonntagsgottesdienst hunderte Menschen mit Palmzweigen, Kruzifixen und Bibeln in den Händen durch die Straßen. Die anwesenden Polizisten hielten sich zunächst zurück, setzten dann aber Tränengas ein, woraufhin Demonstranten die Beamten mit Steinen bewarfen, wie ein AFP-Reporter berichtete.

In Goma im Osten des Landes schossen Polizisten ebenfalls Tränengasgranaten ab, als Gläubige die Kathedrale verließen. AFP-Reporter berichteten auch von Spannungen in Kisangani, Lubumbashi, Beni und Mbuji Mayi.

Papst ruft zu Gewaltverzicht auf

Papst Franziskus äußerte sich beunruhigt über die Geschehnisse. Bei seinem Besuch in Lima forderte er die kongolesischen Behörden auf, auf "jegliche Form von Gewalt" zu verzichten. Jeder im Land sei aufgerufen, gewaltfrei nach einer Lösung in dem Konflikt zu suchen.

Die Behörden hatten alle Protestmärsche verboten. Bereits am Samstag war die Lage in Kinshasa angespannt, die Polizei errichtete Straßensperren und kontrollierte Passanten. In der Nacht zum Sonntag gab es in den großen Städten keinen Zugang zum Internet.

Am 31. Dezember waren bei der Niederschlagung regierungskritischer Proteste, zu denen ebenfalls ein Bündnis katholischer Gemeinden aufgerufen hatte, mehrere Menschen getötet worden. Die Kirche verlangt von Kabila, öffentlich zu sagen, dass er nicht für ein drittes Mandat kandidieren werde.

Wahlen immer wieder verschoben

Kabilas zweite und gemäß der Verfassung letzte Amtszeit endete am 20. Dezember 2016. Ein am Silvestertag 2016 geschlossenes Abkommen mit der Opposition sah Wahlen bis spätestens Ende 2017 und die Freilassung von politischen Gefangenen vor.

Die Wahlen wurden immer wieder verschoben. Im vergangenen November legte die Wahlkommission den Wahltermin auf den 23. Dezember 2018 fest.