Politik | Ausland
17.10.2015

Attacke auf Politikerin: Details über den Täter

Köln: Bürgermeister-Kandidatin außer Lebensgefahr. Täter soll früher Neonazi gewesen sein.

Einen Tag vor der Oberbürgermeister-Wahl ist die parteilose Kandidatin Henriette Reker am Samstag bei einem Messerangriff an einem CDU-Wahlkampfstand schwer verletzt worden. Der noch am Tatort in Köln-Braunsfeld festgenommene Attentäter nannte nach Polizeiangaben Fremdenfeindlichkeit als Motiv. Allerdings schlossen die Ermittler auch eine psychische Störung bei dem Mann nicht aus.

Der 44-jährige Kölner, der laut Polizei seit Jahren arbeitslos ist und Hartz-IV-Gelder bezieht, war am Samstagmorgen kurz nach 9.00 Uhr an dem CDU-Infostand auf Reker und vier weitere Menschen losgegangen. Er fügte der 58-jährigen Kanidatin mit einem sogenannten Bowiemesser einen "Messerstich im Halsbereich" zu, wie der Ermittlungsleiter Norbert Wagner am Nachmittag in Köln sagte. Reker wurde in ein Kölner Krankenhaus gebracht und dort notoperiert. Stunden später war sie außer Lebensgefahr. "Die Operation von Frau Reker ist sehr gut verlaufen", teilte Professor Bernd Böttiger von der Uniklinik Köln am Samstagabend mit. "Wir haben keinen lebensbedrohlichen Zustand mehr." Bei dem Angriff wurden eine weitere Frau schwer und die übrigen drei Angegriffenen leichter verletzt.

Neonazi-Vergangenheit

Wegen des vermuteten fremdenfeindlichen Hintergrunds übernahm bei der Staatsanwaltschaft Köln die Abteilung für politisch motivierte Straftaten die Ermittlungen, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Jakob Klaas sagte. Der tatverdächtige frühere Maler und Lackierer sollte noch am Samstag psychiatrisch untersucht werden.

Er soll nach einem unbestätigten Medienbericht in den 1990er-Jahren bei einer Neonazi-Gruppe aktiv gewesen sein - Mann soll bei der Freiheitlichen Deutschen Arbeitspartei, Das berichtet "Spiegel Online" ohne direkten Bezug auf eine Quelle. Die rechtsextreme Gruppe war 1995 vom deutschen Innenministerium verboten worden. Zuletzt sei der Mann mit ausländerfeindlichen Kommentaren im Internet aufgefallen, berichtete "Spiegel Online" unter Berufung auf Behörden.

Nach Angaben der Polizei handelte der Angreifer offenbar allein. Er sei zuvor nicht polizeilich in Erscheinung getreten, sagte Kriminaldirektor Wagner. Dem Ermittlungsleiter zufolge bezog sich der seit Jahren in Köln lebende Mann bei seiner Aussage zum Motiv zwar nicht ausdrücklich auf die Flüchtlingspolitik. Er habe aber seine ausländerfeindliche Haltung deutlich gemacht. Medienberichten zufolge soll der Mann auf Augenzeugen einen verwirrten Eindruck gemacht haben.

Henriette Reker (l.) spricht mit Kölner Bürgerinnen.

Bestürzung

Bundes-, Landes- und Kommunalpolitiker reagierten bestürzt auf den Vorfall in Köln. Laut einer Regierungssprecherin telefonierte die deutsche Bundeskanzlerin Angel Merkel (CDU) nach dem Angriff mit dem nordrhein-westfälischen CDU-Chef und Bundesvize Armin Laschet. Dabei habe sich Merkel nach Rekers Zustand erkundigt und Genesungswünsche übermittelt. "Die Kanzlerin hat ihre Bestürzung geäußert und die Tat verurteilt", sagte die Regierungssprecherin.

Der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere (CDU) zeigte sich "zutiefst schockiert über diese abscheuliche und feige Tat". Justizminister Heiko Maas (SPD) sprach von einem "Angriff auf alle Demokraten". SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi sagte der Onlineausgabe des "Kölner Stadt-Anzeigers", der Angriff "war ein Angriff auf uns alle, unsere demokratische Kultur und unser friedliches Miteinander". Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) äußerte sich auf Twitter "schockiert über die Attacke" auf Reker. "Das ist ein Angriff auf uns alle."

Nach Angaben von Kölns Wahlleiterin Gabriele wird die Oberbürgermeisterwahl am Sonntag wie geplant stattfinden. Reker und der SPD-Politiker Jochen Ott sind die aussichtsreichsten Kandidaten bei dem Urnengang. Die parteilose Reker wird von Grünen, CDU und FDP unterstützt.